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Die langfristigen Auswirkungen eines landesweiten Schulspeisungsprogramms auf Arbeitsmarktergebnisse: Beweise aus Indien

Fachliche Zuordnung Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 572679505
 
Dieses Projekt untersucht die langfristigen Arbeitsmarkteffekte des indischen Schulernährungsprogramms „Midday Meal Scheme“ (MDM). Während die kurzfristigen Auswirkungen von Schulernährung auf die Gesundheit, Ernährung und Bildung von Kindern gut dokumentiert sind, gibt es bislang kaum Evidenz darüber, ob diese Vorteile im Erwachsenenalter in Form besserer Arbeitsmarktergebnisse fortbestehen. Diese Forschungslücke ist besonders relevant für Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs), in denen solche Programme weit verbreitet sind und Arbeitsmärkte häufig durch Unsicherheit und informelle Beschäftigung geprägt sind. Das MDM, das größte Schulernährungsprogramm der Welt, wurde zwischen 2002 und 2004 gestaffelt in verschiedenen Bundesstaaten Indiens eingeführt. Diese gestaffelte Einführung schafft eine plausibel exogene Variation der Programmbeteiligung für Kinder der Geburtsjahrgänge 1990 bis 2000, die mittlerweile im erwerbsfähigen Alter sind. Auf Grundlage dieses natürlichen Experiments wird in dem Projekt untersucht, welchen kausalen Einfluss die Exposition gegenüber MDM im Grundschulalter auf spätere Erwerbsbeteiligung, Beschäftigungsqualität und Einkommen hat. Das Projekt verfolgt drei zentrale Fragestellungen: (1) Welchen Gesamteffekt hat MDM-Exposition auf langfristige Arbeitsmarktergebnisse? (2) Über welche Mechanismen – wie Humankapitalbildung, Sektor- oder Berufswahl sowie Ehe- und Familienstruktur – verlaufen diese Effekte? (3) Verringert oder verstärkt das Programm bestehende sozioökonomische Ungleichheiten nach Geschlecht, Kaste, Religion oder geografischer Herkunft? Zur Beantwortung dieser Fragen werden repräsentative Haushaltsdaten aus zwei großen indischen Erhebungen genutzt: der Periodic Labour Force Survey (PLFS, 2017–2024) und der National Family Health Survey (NFHS, 2015–16, 2019–21). Diese erlauben eine differenzierte Analyse von Arbeitsmarktergebnissen, Bildungsniveaus, Gesundheitsindikatoren und Familienkonstellationen. Die empirische Strategie basiert auf einem Difference-in-Differences-Ansatz unter Ausnutzung der gestaffelten Programmumsetzung und berücksichtigt neuere methodische Entwicklungen zu heterogenen Effekten, kleinen Clustern und potenzieller Fehlklassifikation durch Migration. Das Projekt leistet Beiträge zur Forschung über die Langzeitwirkung frühkindlicher Interventionen, zur ökonomischen Bewertung von Schulernährungsprogrammen und zur Analyse von Arbeitsmarktungleichheiten in LMICs. Es liefert zugleich praxisrelevante Erkenntnisse für bildungs-, ernährungs- und arbeitsmarktpolitische Entscheidungen. Die Umsetzung erfolgt mit Unterstützung einer Doktorand:in und einer studentischen Hilfskraft. Die Ergebnisse werden über Fachzeitschriften, Konferenzen und öffentlich zugängliche Replikationsmaterialien verbreitet.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Indien
 
 

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