Detailseite
Projekt Druckansicht

Atmosphären-Experimente im Computer und im Labor: Neue Ansätze des Modellierens, 1940er–1960er Jahre

Fachliche Zuordnung Wissenschaftsgeschichte
Theoretische Philosophie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 572804327
 
Nach dem Zweiten Weltkrieg verfolgten zeitgleich zwei denkbar unterschiedliche Forschungsprojekte das Ziel, Phänomene der Atmosphäre zu modellieren: Am Institute for Advanced Study in Princeton wurde an Methoden zur computergestützten numerischen Wettervorhersage gefeilt, während in den Hydrodynamics Laboratories der Universität Chicago Atmosphärenströme simuliert wurden; mit geschmolzenem Paraffin in rotierenden Schüsseln. Während sich die wissenschaftshistorische und -philosophische Forschung bereits eingehend mit der computergestützten Modellierung der Atmosphäre befasst hat, wissen wir kaum etwas über die meteorologischen Laborexperimente, geschweige denn, wie die beiden Ansätze zusammenhingen — ob sie etwa miteinander konkurrierten oder sich gegenseitig informierten und validierten. Dabei gibt es neben institutionellen und persönlichen Links auch interessante epistemische und methodologische Verbindungen zwischen den beiden Forschungsvorhaben. Das vorliegende Projekt soll der historiographischen Engführung entgegenwirken und zu einer nuancierteren Darstellung dieser Schlüsselepisode der Atmosphärenmodellierung in den ersten Nachkriegs-Jahrzehnten beitragen. Das Projekt zielt darauf, (i) die beiden Ansätze des Experimentierens mit Modellen und deren Wandel über die Zeit zu charakterisieren, (ii) die Beziehung zwischen den beiden Ansätzen zu beleuchten, und (iii) nachzuvollziehen, wie interdisziplinäre Projekte zur Modellierung der Atmosphäre entstanden. Dies wird unser Verständnis der Entstehung des Experimentierens mit Computern als Forschungsmethode weiter verbessern und neue Einblicke in die Dynamik interdisziplinärer Forschungsprozesse vermitteln. Um die Ziele zu erreichen, werden fünf zwischen der Mitte der 1940er und Mitte der 1960er Jahre entwickelte und genutzte Modelle untersucht, und die damit verbundenen Forschungsaktivitäten im Detail rekonstruiert. Dabei kommt ein Analyserahmen zum Einsatz, den die Antragstellerin in einer früheren Studie zur interdisziplinären Modellierung physiologischer Mechanismen in der Zwischenkriegszeit entwickelt hat. Dieser Ansatz eignet sich, um das Zusammenspiel von epistemologisch-methodologischen und sozial-institutionellen Dimensionen der wissenschaftlichen Praxis auszuleuchten. Die Ergebnisse des Projekts sind relevant für die Geschichte der Meteorologie, der Klimawissenschaften und der Computermodellierung; für die philosophische Analyse des Modellierens als wissenschaftliche Methode; und für unser Verständnis davon, wie interdisziplinäre Forschung die intellektuelle und soziale Wissenschaftslandschaft prägt. Schließlich werden die Resultate der historischen Analyse auch zur Reflexion dazu anregen, wie heutige Wissenschaftsgemeinschaften die Herausforderungen der interdisziplinären Modellierungsforschung bewältigen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung