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Liederhefte von Studierendengemeinden 1960-2020

Antragstellerin Dr. Elisabeth Fillmann
Fachliche Zuordnung Katholische Theologie
Evangelische Theologie
Germanistische Literatur- und Kulturwissenschaften (Neuere deutsche Literatur)
Musikwissenschaften
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 572912257
 
Zahlreiche Studierenden- oder Hochschulgemeinden erstellen und benutzen seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts neben oder statt der offiziellen Gesangbücher ihrer Konfession eigene Liederhefte. Diese autonomen Produktionen, so die zu untersuchende Hypothese, stellen, neben ihrer gruppenidentitätsstärkenden Funktion, eine Ergänzung, einen Gegenentwurf oder – in der Rezeption des aufgenommenen Liedgutes – Vorläufer der nachfolgenden Gesangbücher ("Gotteslob", "Evangelisches Gesangbuch") dar. In einer zyklischen Bewegung münden sie auch in die Entstehung eines überregionalen Studierendengesangbuches. Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich von den 1960-er Jahren bis zum Beginn der Coronapandemie-Beschränkungen. In diese Zeit fallen zahlreiche Umbrüche, darunter die Studentenbewegung und die Friedensbewegung, das wachsende Umweltbewusstsein und die zweite und dritte Frauenbewegung. Innerkirchlich ermöglicht das Zweite Vatikanische Konzil enorme liturgische Veränderungen, wachsen die Ökumenebestrebungen an der Basis, aber auch in der Hymnodie (Arbeitsgemeinschaft für Ökumenisches Liedgut, AÖL); es kommt zur Entwicklung eines musikstilistisch neuen Liedgutes (Tutzinger Liederwettbewerb: „Danke“, NGL, Spiritual-/Gospelrezeption, Taizé-Aufnahme). Die feministische Theologie entwickelt sich, die Befreiungstheologie wird rezipiert. Die Hefte der Studierendengemeinden spiegeln gesellschaftliche, zeit- und kirchengeschichtliche, theologische und kulturelle – v.a. musikalische – Entwicklungen; die Annahme, dass sie darin auch eine Katalysator- und in der Erstveröffentlichung vieler Lieder eine Avantgarderolle übernehmen, wird überprüft. Die Hefte haben auf jeden Fall einen hohen Quellenwert. Sie sind jedoch bisher unzureichend erfasst und drohen wegen der an die Studienzeit gekoppelten, vorübergehenden Mitgliedschaft der Urheber*innen in den Gemeinden, die folglich instabil sind, verlorenzugehen. Durch nachgehende Recherchen soll das Projekt das ephemere Medium und seinen Liedbestand in der Hymnologischen Datenbank (HDB) in seiner Breite dokumentieren, auswerten sowie eine möglichst große Anzahl von Heften digitalisieren. Ziel ist also die Bestandsicherung und Analyse und Beschreibung von Phänomenologie, Produktion, Rezeption und Funktion der Liederhefte von Studierendengemeinden. Die Datenbank erlaubt dabei Übersichten und Mustererkennungen. Visualisierungen der Ergebnisse aus den generierten Daten und eine monografische Überblicksdarstellung sollen die Erkenntnisse für die wissenschaftliche und interessierte Öffentlichkeit zugänglich machen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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