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Dialektgeography und Dialectometry von Ladakh (UT Ladakh, Indien)

Antragstellerinnen / Antragsteller Professor Dr. Gerhard Jäger; Dr. Bettina Zeisler
Fachliche Zuordnung Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 572933900
 
Ladakh, eine Hochgebirgsregion im Norden Indiens, weist eine außergewöhnlich dichte dialektale Vielfalt innerhalb der westtibetischen Sprachgruppe auf. Die dort gesprochenen Dialekte unterscheiden sich deutlich in Phonologie, Lexikon und Grammatik – insbesondere in der Tempus- und Aspektmarkierung, im Kasussystem und bei der Kodierung von Evidentialität. Trotz dieser Vielfalt existiert bislang keine umfassende, datengestützte Untersuchung zur Verbreitung, Klassifikation und gegenseitigen Verständlichkeit dieser Dialekte. Ziel des beantragten Projekts ist es, die grammatische und lexikalische Variation der ladakhischen Dialekte systematisch zu dokumentieren und rechnergestützt zu analysieren. Die Erstantragstellerin wird dazu drei mehrmonatige Feldforschungsaufenthalte in verschiedenen Regionen Ladakhs durchführen. In strukturierten Erhebungen, Interviews und Aufnahmesitzungen werden sowohl zentrale grammatische Merkmale als auch ein standardisierter Grundwortschatz erhoben. Zusätzlich werden die Sprecherinnen und Sprecher um metalinguistische Einschätzungen gebeten: Welche Dialekte empfinden sie als verständlich, welche als fremd, und welche Merkmale erscheinen ihnen als typisch für ihre eigene Sprechweise? Das Projekt folgt einem partizipativen Forschungsansatz, in dem Sprecher*innen als aktive Kooperationspartner und nicht als bloße Datenquellen behandelt werden. Diese Herangehensweise erlaubt die Erfassung sprachlicher Phänomene, die in standardisierten Erhebungsformaten oft übersehen werden. In einem zweiten Schritt werden die erhobenen Daten kuratiert und mit Methoden aus der Dialektometrie und phylogenetischen Linguistik analysiert. Zum Einsatz kommen Distanzmaße, Clustering, Dimensionsreduktion und phylogenetische Modellierung. Durch den Vergleich von Klassifikationen auf Basis phonologischer, lexikalischer und grammatischer Merkmale wird erkennbar, welche Bereiche am stärksten zur Dialekttrennung beitragen. Zudem wird geprüft, inwieweit computergestützte Klassifikationen mit den Selbsteinschätzungen der Sprecher*innen übereinstimmen. Das Projekt führt zu einer differenzierten, datengestützten Klassifikation der ladakhischen Dialekte, die sowohl genealogische als auch kontaktbedingte Strukturen sichtbar macht. Alle erhobenen Daten werden nach den FAIR-Prinzipien aufbereitet, offen publiziert und für weiterführende Forschung sowie zur Sprachpflege in der Region zugänglich gemacht.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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