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Die monumentalen archaischen Weihgeschenkbasen im Heraion von Samos

Antragstellerin Dr. Uta Dirschedl
Fachliche Zuordnung Klassische, Provinzialrömische, Christliche und Islamische Archäologie
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 573127552
 
Im Heraion von Samos (UNESCO-Weltkulturerbe) wurden rund 200 monumentale archaische Weihgeschenkbasen und Weihgeschenkbasisfundamente aus Stein freigelegt, die ursprünglich großformatige Weihgeschenke trugen, wie z. B. monumentale und kolossale Statuen aus Marmor und Bronze, Kessel aus Bronze sowie sogar ganze seetüchtige Schiffe. Sie säumten Tempelvorplatz, Heilige Straße und Wege und prägten maßgeblich das Erscheinungsbild des Heiligtums. Unter den Votivbasen befinden sich bedeutende Exemplare wie die Basis der herausragenden Geneleos-Gruppe aus der Mitte des 6. Jhs. v. Chr. Die Untersuchung der für die Kultpraxis und Topographie des archaischen Heiligtums außerordentlich wichtigen Weihgeschenkbasen ist seit Langem ein dringendes Desiderat in der Erforschung des Heraion. Ziel ist es zum einen, die archaischen Weihgeschenkbasen und Basisfundamente im Gelände und im Steindepot des Heraion zu identifizieren und in drei Aufarbeitungskampagnen katalogmäßig zu erfassen, mithilfe des SfM-Verfahrens (Structure from Motion) detailliert zu dokumentieren sowie sorgfältig zu analysieren. Eingehend untersucht werden Typen, Formen bzw. Bauweise, Steinmaterialien, technische Details und Werktechnik sowie auch die Bettungen, Dübellöcher etc. auf den Oberlagern der Weihgeschenkbasen. In einer das Projekt flankierenden Grabungskampagne der Abteilung Athen des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) sollen strittige Befunde, wie z. B. die Existenz der sog. Schiffsbasis II sowie die Funktion der Postamentreihe unter Dipteros II und der Basen von Weihgeschenksäulen und anderen Monumenten am Nordtor geklärt werden sowie die chronologische Einordnung ausgewählter Basen. Eine Zusammenschau der Befunde der archäologisch, epigraphisch und literarisch überlieferten Weihgeschenke und der Weihgeschenkbasen mit ihren spezifischen Bettungen etc. für die Aufstellung bestimmter Votive wird es erlauben, einen Überblick zu Repertoire, Spektrum, Gattungen, Formaten, Materialien etc. der monumentalen archaischen Votive im Heraion zu gewinnen und anhand ihrer Standorte die Bezüge zu Wegen, Bauten, zur Landschaft und zueinander zu analysieren. Auf dieser Grundlage werden sich Präsentation, Prestige und Wirkung der Weihgeschenke analysieren lassen, die ggf. Rückschlüsse auf Status und Prestige der Stifter und Dargestellten sowie auf Selbstdarstellung und Wettbewerb der Stifter und Bildhauer zulassen. Zum anderen zielt die Untersuchung darauf ab, anhand der Standorte der Weihgeschenkbasen, die Prozessionsstraßen und Wege im Heiligtum und ihre Hierarchie in verschiedenen Phasen des 7. und 6. Jhs. v. Chr. zu rekonstruieren und auf dieser Grundlage die topographische Entwicklung des Heraion in archaischer Zeit nachzuzeichnen und in Phasenplänen darzustellen. Die Ergebnisse werden in einer Monographie in der Samos-Reihe des DAI vorgelegt werden.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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