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'Body Eclectic': Visuelle Medien, städtischer Raum und die Aushandlung von Geschlecht in Hafenstädten der Zwischenkriegszeit
Antragstellerin
Dr. Christina Reimann
Fachliche Zuordnung
Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 573170762
Wie veränderten sich die Geschlechterverhältnisse in der Zwischenkriegszeit? Das Projekt nähert sich dieser historischen Frage aus transnationaler urbaner Perspektive und verlagert den Fokus vom Diskurs auf die Verkörperung der Geschlechterverhältnisse und ihre räumliche Verankerung. Anhand visueller und schriftlicher Quellen untersucht es, inwieweit sich die geschlechtsspezifische Ordnung des städtischen Raums in der Zwischenkriegszeit veränderte und wie diese Transformation mit sich verändernden Geschlechteridentitäten interagierte. Das Projekt untersucht das französische Le Havre und das schwedische Göteborg, da Hafenstädte besonders geeignete Orte sind, um sowohl die transnationale Dimension als auch die lokalen Kontingenzen der Neuverhandlung von Geschlecht im Europa der Zwischenkriegszeit zu untersuchen. Die bisherige Forschung mit ihrem vorherrschenden Fokus auf nationale Entwicklungen, die diskursive Neuverhandlung von Geschlecht, und die Entstehung neuer weiblicher Identitäten hat die Art und Weise, wie (alltägliche) städtische Körperpraktiken Geschlechteridentitäten und -beziehungen hervorbrachten, nicht ausreichend berücksichtigt. Basierend auf einer eingehenden Untersuchung dokumentarischer Fotografien und Filme, analysiert dieses Projekt die performative und transformative Kraft körperlicher Praktiken und zeichnet ein Bild historischer Urbanität, das jene städtischen Akteure stärker einbezieht, die in schriftlichen Quellen selten oder nicht vorkommen. Das Projekt hinterfragt den nationalgeschichtlichen und auf Hauptstädte gerichteten Forschungsfokus, indem es städtische Räume untersucht, die durch transnationale Prozesse geprägt und zugleich für diese konstituierend sind: Hafenstädte. Göteborg und Le Havre waren industrialisierte und international gut vernetzte Hafenstädte, die ethnisch vielfältige Bevölkerungen mit einer zahlenmäßig bedeutenden Arbeiterschaft beherbergten. Gleichzeitig befanden sich die Städte in sehr unterschiedlichen rechtlichen, politischen und sozialen Zwischenkriegskontexten, und dies insbesondere hinsichtlich Geschlechterfragen. Die Studie verwendet Fotografien, kurze dokumentarische (Stadt-)Filme und Wochenschauen unter der Annahme, dass der zunehmende Konsum von (bewegten) Bildern die Art und Weise beeinflusste, wie sich Menschen in der Stadt bewegten. Vor diesem Hintergrund analysiere ich die Neuverhandlung von Geschlecht in Göteborg und Le Havre anhand körperlicher Praktiken mit einem dreifachen Fokus: darauf, wie sich Menschen im öffentlichen Stadtraum bewegten, ihn nutzten und sich zu ihm verhielten; auf ihre Posen und Gesten im Umgang miteinander; und auf die Nutzung von Kleidung und Accessoires als wichtige Werkzeuge im Ausdrücken und Transzendieren geschlechtlicher Identität. Körpraktiken werden auf Grundlage bestehender Forschung zur Kulturgeschichte von Gesten und Mobilität analysiert und mithilfe schriftlicher Quellen historisch und räumlich verortet.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
