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Ein hierarchisches Modell zum Verständnis von Mehrfach- und Einzelhandlungen
Antragsteller
Dr. Tim Raettig
Fachliche Zuordnung
Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 573208198
In der bestehenden Forschung wurde noch kaum untersucht, wie die gleichzeitige Kontrolle mehrerer Handlungen und die Vorbereitung einzelner Handlungen miteinander zusammenhängen. Theoretische Modelle, die das Auftreten von Kosten oder Vorteilen bei der Ausführung zweier Handlungen erklären können, sind bislang losgelöst von Ansätzen zur Erklärung der Planung und Modifikation einzelner Handlungen. Dementsprechend fehlt ein integratives Erklärungsmodell für die Kontrolle und Repräsentation von Einzel- und Mehrfachhandlungen. Aus diesem Grund haben wir einen neuen theoretischen Ansatz zur Beschreibung hierarchischer Handlungsrepräsentation entwickelt – das Task-Tier-Type-Token Framework (im Folgenden: „four-T F“ bzw. „40F“), das wir im Rahmen dieses Antrags weiter verfeinern und testen möchten. Kurz zusammengefasst geht das 40F davon aus, dass 1) Handlungen kognitiv als Bündel distinktiver Merkmale repräsentiert werden (z. B. „Effektor“, „Lateralität“) und 2) diese Merkmale hierarchisch strukturiert sind (z. B. wird der Effektor vor der Lateralität spezifiziert). Es wird angenommen, dass bei der Formulierung eines Handlungsplans die erste Entscheidung – auf der Tier-Ebene – darin besteht, festzulegen, wie viele separate Handlungen vorbereitet werden müssen (d. h. keine, eine, zwei usw.). Die Theorie geht davon aus, dass dazu im Arbeitsgedächtnis Platz in Form verschiedener „Slots“ für Motorprogramme reserviert (und möglicherweise vorstrukturiert) wird. Effekte auf der Tier-Ebene werden im Arbeitspaket 3 untersucht. Sobald die Auswahl auf der Tier-Ebene abgeschlossen ist, werden die entsprechenden Protoprogramm-Slots auf der Type-Ebene weiter spezifiziert, indem konkrete Effektoren und Muster muskulärer Innervation festgelegt werden. Effekte auf der Type-Ebene werden im Arbeitspaket 2 untersucht. Schließlich wird auf der Token-Ebene die Parametrisierung des Motorprogramms durch die Festlegung untergeordneter Merkmale wie Lateralität abgeschlossen. Effekte auf der Token-Ebene werden im Arbeitspaket 1 untersucht. Während sich die aktuelle Forschung zur Handlungssteuerung überwiegend mit höherstufigen Mechanismen befasst (z. B. dem Wechsel zwischen vollständig spezifizierten Tasks), widmet sich der hier vorgestellte Ansatz den grundlegenderen, fein abgestimmten inneren Prozessen der Handlungsrepräsentation – mit dem Ziel, eine solide, klar definierte Grundlage zu schaffen, die anschließend mit übergeordneten Modellen integriert werden kann. Theoretisch stützen wir uns auf das gut etablierte Konzept des Protoprogramms, wie es von David Rosenbaum diskutiert wurde, sowie auf moderne, merkmalsbasierte Ansätze der Handlungsrepräsentation, die wir mit Ideen bezüglich niedrigstufiger Repräsentationshierarchien verbinden. Empirisch bauen wir auf einem experimentellen Paradigma auf, das im Rahmen zweier vorangegangener Projekte entwickelt wurde.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Mitverantwortlich
Professor Dr. Lynn Huestegge
