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Geld im Sozialismus: Politiken, Praktiken und Erfahrungen, 1945-1991

Antragsteller Dr. Gunnar Take
Fachliche Zuordnung Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 573559926
 
Das marxistische politische Denken begriff Geld als eine prägende Institution des Kapitalismus und zielte ursprünglich auf seine Überwindung ab. In Regierungsverantwortung beschlossen die sozialistischen Regime jedoch, dass der praktische Nutzen mögliche ideologische Einwände überwiege. So erfüllten Geld und Kredit in sozialistischen Gesellschaften im Lauf der Zeit zahlreiche Funktionen, welche letztlich die wirtschaftliche Produktion und Verteilung stabilisieren und den sozialen Zusammenhalt sowie die politische Ordnung stärkten sollten. Jahrzehntelang nur sporadisch Gegenstand historischer Forschungen, erschienen jüngst einige innovative Studien zu Geldpraktiken, zu sozialistischen Konsumgesellschaften und zu intermediären Organisationen und Institutionen zwischen den sozialistischen Regierungen bzw. Diktaturen und der Bevölkerung, darunter auch Banken. Dies lieferte neue Einblicke, offenbarte allerdings auch beträchtliche Herausforderungen, vor allem hinsichtlich Methodik und räumlicher Zuschnitte. Dazu zählt, dass die meisten Autor:innen – uns Antragsteller eingeschlossen – sich auf einen nationalen Rahmen konzentrieren und in ihren Themenfeldern wenig auf vergleichende Perspektiven rekurrieren (können). Wir wollen diese Defizite überwinden, indem wir Kolleg:innen aus verschiedenen Disziplinen mit vielfältigen methodischen und Sprachkenntnissen zusammenbringen, um gemeinsam substanzielle Beiträge zum Thema Geld im Sozialismus zu erarbeiten. Nachdem wir festgestellt haben, dass sporadische bilaterale Kooperationen und einmalige Konferenzen keine ausreichenden Lösungen darstellen, möchten wir ein interdisziplinäres Netzwerk aufbauen, das unsere Erkenntnisse zusammenführt und methodische Ansätze kombiniert. Durch die Linse des Geldes erforschen und vergleichen wir das komplexe Zusammenspiel von Gesellschaft, Wirtschaft und Politik in sozialistischen Staaten. Wir analysieren verschiedene Praktiken auf Makro-, Meso- und Mikroebene, unter anderem indem wir uns mit der (Re-)Monetarisierung von Wirtschaft und Gesellschaft nach 1945, mit Demonetarisierungen unterschiedlicher Ausprägungen, mit Kreditvergaben und Vertrauensbildung sowie mit Praktiken des Sparens und Hortens befassen. Die 13 Mitglieder des Netzwerks sind vorwiegend Postdoktorand:innen. Sie werden Paare bilden und ihre Ansätze und Argumente über drei Jahre hinweg gemeinsam entwickeln, wobei sie auf zwei Konferenzen in Präsenz sowie zusätzlich vom Online-Austausch und einer substanziellen konstruktiven Kritik aus der Gruppe profitieren. Als erste Publikation ist eine Quellenedition (Dokumentensammlung) auf der Plattform „osmikon“ vorgesehen, auch um auf bislang zu wenig beachtete Archive und Bestände aufmerksam zu machen. In einem zweiten Schritt werden wir die Ergebnisse unserer Forschungen und Diskussionen in einem gemeinsamen Sammelband mit sechs Artikeln präsentieren sowie schließlich Möglichkeiten für eine weitere Zusammenarbeit ausloten.
DFG-Verfahren Wissenschaftliche Netzwerke
Mitverantwortlich Dr. Stephan Rindlisbacher
 
 

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