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Fastnacht, Tanz und Masken: Der Nürnberger Schembartlauf 1449 – 1539 (Der Nürnberger Schembartlauf – digital)

Fachliche Zuordnung Ethnologie und Europäische Ethnologie
Frühneuzeitliche Geschichte
Kunstgeschichte
Theater- und Medienwissenschaften
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 573612555
 
Der von 1449 bis 1539 aufgeführte und über die Stadtgrenzen hinaus berühmte Nürnberger Schembartlauf galt als Höhepunkt der Fastnachtsfeierlichkeiten. Von nah und fern kamen Zuschauer, um dem Schaulaufen beizuwohnen. Zur Erheiterung der Bevölkerung rannten die maskierten Läufer durch die Gassen der Stadt und zündeten Feuerwerk. Der Schembartlauf als zentrales Ereignis eines urbanen Festes diente genau wie seine Dokumentation in den Schembartbüchern und deren spätere Tradierung der Repräsentation der städtischen Gesellschaft und vor allem der bedeutenden Nürnberger Familien. Die Schembartläufe sind nach heutigem Forschungsstand in 128 meist reich illustrierten Handschriften und auf 23 Einzelblättern (entstanden zwischen ca. 1525 und 1750) überliefert. Ein Großteil wird in öffentlichen Institutionen der Metropolregion Nürnberg aufbewahrt, die gesamte Überlieferung ist auf rund 40 Einrichtungen weltweit verteilt. Das gemeinsam vom Germanischen Nationalmuseum Nürnberg und der Universitätsbibliothek Heidelberg beantragte Projekt zielt auf eine innovative digitale Text-Bild-Edition der Schembartlauf-Überlieferung. Dabei verantwortet Heidelberg alle Phasen der Edition im Rahmen ihrer Infrastruktur heiEDITIONS: von der Datenhaltung über den Einsatz von eScriptorium für Texterkennung und Transkription, die TEI-XML-Modellierung bis hin zur XML-Verarbeitung inkl. Normdatenanreicherung und Visualisierung sowie langfristigen Datenpublikation gemäß den FAIR-Prinzipien. Die detaillierte kunsthistorische Erschließung der mehr als 4.000 Illustrationen soll direkte Vergleiche der kultur- und kunsthistorisch bedeutenden Bildüberlieferung ermöglichen. Da keine der über einen Zeitraum von 200 Jahren hergestellten Handschriften datiert ist, sollen die 28 Schembartbücher im Bestand des GNM einer Wasserzeichenanalyse unterzogen werden, um eine gesichertere Basis für Datierungen zu schaffen. Zudem sollen neben den Schembartbüchern selbst die einschlägigen, zeitgenössischen kommunalen Rechts- und Verwaltungsquellen als wichtige und zuverlässige Quellen zum Festgeschehen in die Edition integriert werden. Das Schembart-Projekt will somit Grundlagenarbeit leisten und damit entscheidend dazu beitragen, dass gesicherte Antworten auf weiterführende Fragen, z.B. zur Kostümierung im Spätmittelalter, zur eigentlichen Bedeutung der Schembartbücher oder zur Verbindung zu lokalen Fastnachtspielen, gefunden werden können. Motivübernahmen, gemeinsame Brauchtumswurzeln oder die Auseinandersetzung mit der städtischen Ordnung bieten hier erste Anknüpfungspunkte. Einige Quellen stehen als digitale Faksimiles bereits über das neue Portal "Der Nürnberger Schembartlauf" digital online zur Verfügung. Die angestrebte umfassende synoptische Verfügbarkeit der Quellen und die kodikologische, textliche, bildliche Erschließung soll die wissenschaftliche Beschäftigung mit den chronikalen Schembartbüchern zukünftig auf eine fundiertere Basis stellen.
DFG-Verfahren Digitalisierung und Erschließung (Wiss. Literaturversorgung und Informationssysteme)
 
 

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