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Täglich sichtbar: Auf dem Weg zu einer Epistemologie des Göttlichen durch (die) Bilder vermittelt
Antragsteller
Privatdozent Dr. Thomas Wagner
Fachliche Zuordnung
Evangelische Theologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 554535105
Ziel des Projekts ist es, im Rahmen einer historischen Analyse der Epistemologie des Göttlichen in Palästina/Israel (Cisjordanien) im 1. Jahrtausend v. Chr. die massenmediale Vermittlung von Wissenskonstruktionen über das Göttliche anhand von Stempel- und Zylindersiegeln zu untersuchen. Siegel werden dabei als Externalisierungen religiöser Gedanken und als Medium zur Vermittlung eines Realitätsmodells verstanden. Sie dienen als solche der Manifestation von Ideen und sozialen Strukturen, und ihre zunehmende Verbreitung etabliert Einfluss- und Wissenssphären. Mit Hilfe digital unterstützter Methoden (KI-gestützte Bildanalyse zur Erkennung sich wiederholender Muster, Geospatial und Social Epistemic Network Analysis) werden wir den Kommunikationswert der Bilder über die Wissenskonstrukte des Göttlichen, die sie vermitteln, ihre zugrunde liegenden Muster/Denkstrukturen und ihre Einflusssphären sichtbar machen. Die Beschreibung jedes Siegels erfolgt in Form von Raum und Zeit als grundlegenden epistemischen Kategorien. Unser Ziel ist es, die epistemischen Zentren und die von ihnen ausgehenden Netzwerke in Bezug auf die lokalen sozialen und wirtschaftlichen Bedingungen, die Landnutzung, die Siedlungsmuster, den Handel und die Kommunikationswege zu kartieren. Auf diese Weise wird die Beziehung zwischen der Kommunikation der Wissenskonstruktion durch Zeichen/Symbol/Sujet, den daraus resultierenden Standards, dem Verhältnis des einzelnen Artefakts zum lokalen und regionalen Bildprogramm und damit ihren lokalen Interpretationen sichtbar. Dieser Ansatz erfordert eine Kombination verschiedener analytischer Perspektiven und deren Methoden (Ikonographie, Archäologie, Epistemologie und digitale Zugänge). Anhand der Analyse von Bildern als Informationsträger und Kommunikationsmittel werden wir die Konstruktion, Kontextualisierung und Kodierung von Epistemen sowie deren Dekodierung, Rekontextualisierung und Rekonstruktion in verschiedenen epistemischen Umgebungen beschreiben. Innerhalb der Forschungsgruppenverbundes nimmt man den Ansatz einer lokalen Perspektive von Heiligtümern als epistemischen Zentren und ihren Verbindungen auf, wie er in einem anderen Projekt untersucht wird, und führt ihn bezogen auf die Verbreitung von Siegeln und der von ihnen transportierten Vorstellungen weiter aus. Die Darstellung von visuellen Bildern wirkt sich auch auf die Sprachbilder aus, die zur Beschreibung des Göttlichen verwendet werden. Mit seiner Analyse leistet das Projekt einen Beitrag zur Beschreibung der Interaktion von Ikonographie und Sprachmetaphorik zur transmedialen Ausbildung von Denkformen des Göttlichen, die seit der Antike bis in moderne Konstruktionen von Gottesbildern hinein wirksam ist.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
Teilprojekt zu
FOR 5949:
Epistemologie des Göttlichen. Auf der Suche nach den religiösen Denkstrukturen des Alten Palästina/Israel
Internationaler Bezug
Brasilien
Kooperationspartner
Professor Dr. Silas Klein Cardoso
