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Dynamische Pragmatik für multiagentive Konversationen

Fachliche Zuordnung Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 573920686
 
Dynamische pragmatische Theorien modellieren sowohl den Einfluss und die Bedingungen, die der Äußerungskontext an eine Äußerung stellt, als auch den Effekt, den Äußerungen auf den Kontext haben. Neben dem Common-Ground-Modell haben sich das Konzept der Question under Discussion (QUD) und das Table-Modell als feste Größen in der formal-orientierten Semantik und Pragmatik etabliert, um Äußerungskontexte zu formalisieren. Dabei liegt diesen Theorien, zumindest implizit, ein „Monokontextualismus“ zugrunde: Es gibt *einen* Kontext und folglich *einen* Common Ground (CG), *eine* QUD und *einen* kontextuellen „Table“ (CT) für eine Äußerung. Dieses Projekt untersucht die Grenzen dieser Annahme anhand von multiagentiven Konversationen, also sprachlichen Interaktionen mit mehr als einer Sprecher*in und einer Hörer*in. Dabei wird das Projekt für jede der drei Komponenten aufzeigen, dass es für viele multiagentive Konversationen notwendig ist, davon auszugehen, dass mehr als ein CG, QUD und CT gleichzeitig aktiv sein muss, um die Kontext-Update-Effekte und die kontextuelle Interpretation von Äußerungen angemessen modellieren zu können. Dies führt zu einem pragmatischen Multikontextualismus: Eine Äußerung kann mit mehr als einem pragmatischen Kontext assoziiert sein. In weiteren Projektphasen wird das Projekt deshalb die formal-dynamischen Modelle für den CG, die QUD und den CT so erweitern, dass auch komplexere Konversationen als idealisierte Dialoge zu erfassen sind, wobei die Vor- und Nachteile verschiedener Erweiterungsstrategien ausgelotet werden sollen. Die drei Erweiterungen sollen einfließen in eine integrative Theorie dynamischer Pragmatik für multiagentive Konversationen. Dabei wird sich die theoretische Analyse neben konstruierten Interaktionen auch auf authentische Korpusbelege stützen, die nach einem eigens für das Projekt zu entwickelnden Annotationsschema analysiert werden. Als ein „Stretch Goal“ wird sich das Projekt komplexeren telemedialen und asymmetrischen Kontexten widmen, bei denen Sprecher*innen und Adressat*innen nicht die gleichen konversationellen Möglichkeiten haben, was einen Brückenschlag zur Diskurslinguistik ermöglichen kann.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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