Detailseite
Projekt Druckansicht

Menstruation im Zeitalter ihrer technischen Reproduzierbarkeit. Technologie und die Re-/Konfiguration blutender Körper.

Antragstellerin Hannah Link
Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung seit 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 573942679
 
Menstruationsblut hat in den letzten Jahren international an gesellschaftlicher Sichtbarkeit gewonnen. Was lange als privates, unerwünschtes und zu verbergendes Körperfluid galt, ist heute zu einem Symbol jüngster feministischer Bewegungen avanciert. Gleichzeitig bleibt Menstruationsblut im Alltag Gegenstand routinierter Verbergungspraktiken. Es bewegt sich damit in einem Spannungsfeld politischer Sichtbarkeit und technischer Kontrolle: Es wird einerseits ästhetisiert, inszeniert und öffentlich diskutiert, andererseits aber durch verschiedenste Technologien absorbiert, aufgefangen, datenförmig getrackt und so zugleich (re)invisibilisiert. In diesem Kontext rückt das Projekt sogenannte Menstruationstechnologien in den Fokus. Gemeint sind technologische Artefakte, die zur Bearbeitung von Menstruationsblut eingesetzt werden - etwa indem es durch Tracking-Apps in Daten übersetzt; durch Tassen, Scheiben, Tampons oder Binden mechanisch aufgefangen; oder in medizinischen Laboratorien technisch simuliert wird. Diese Technologien sind untrennbar mit einem alltäglichen ‚Menstruationsmanagement‘ verknüpft und fungieren als wesentliche Elemente gesellschaftlicher Hygiene- bzw. Ordnungspraktiken. Das Projekt versteht Technologien sowohl als Kristallisationspunkte als auch als aktive Akteur:innen gesellschaftlicher Ordnungsvorstellungen. In ihnen verdichten sich soziale Normen, kulturelle Bedeutungen und materielle Praktiken; zugleich gestalten sie diese aktiv mit. Es folgt einem sozio-materiellen Technikverständnis, in dem Technologien nicht nur sozial konstruiert sind, sondern selbst zur Erzeugung, Stabilisierung und Transformation gesellschaftlicher Ordnungen beitragen (Haraway 1985; Latour 1992). Ziel des Projekts ist es, am Beispiel von Menstruationstechnologien zu untersuchen, wie in technisierten Gesellschaften Körperordnungen hervorgebracht, aufrechterhalten oder transformiert werden. Die methodische Grundlage der Untersuchung bildet eine von der Antragstellerin vorgeschlagene ‚materiell-diskursive‘ Ethnografie, die ethnografische Beobachtung mit einer dezidierten Analyse der materiell-technischen Dimensionen technischer Artefakte verbindet. Diese Methodologie erlaubt es, Technologien nicht nur als Bedeutungs- und Handlungsträger, sondern auch als materielle Mitproduzent:innen von Körpern und Körperbildern zu begreifen. Fokus stehen drei Fallbeispiele: 1) die Menstruationstracking-App Flo, 2) die analoge Menstruationsscheibe sowie 3) die medizinisch-experimentelle Menstruationsmaschine Evatar des Draper Labs der University of Illinois. Anhand ethnografischer Feldbeobachtungen und Technikanalysen wird herausgearbeitet, wie diese Artefakte kulturelle Vorstellungen von Körpern und Körperfunktionen materialisieren, strukturieren und zugleich verschieben.
DFG-Verfahren WBP Stipendium
Internationaler Bezug Schweden
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung