Detailseite
Projekt Druckansicht

Disruptiv, infrastrukturell und spekulativ: Mietwohnraum in Berlin im Kontext des Post-Platform-Urbanismus

Antragstellerin Dr. Niloufar Vadiati, Ph.D.
Fachliche Zuordnung Humangeographie
Künstliche Intelligenz und Maschinelle Lernverfahren
Städtebau/Stadtentwicklung, Raumplanung, Verkehrs- und Infrastrukturplanung, Landschaftsplanung
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 573963572
 
Dieses Forschungsprojekt verfolgt das Ziel, im Rahmen eines dreijährigen Arbeitsplans zu untersuchen, wie digitale Wohnungsplattformen den Mietwohnraum in Berlin durch drei miteinander verknüpfte Dimensionen verändern: Disruption, Infrastruktur und Spekulation. Diese Dynamiken werden im theoretischen Rahmen des „Post-Platform-Urbanismus“ analysiert – einem Begriff, der die Weiterentwicklung digitaler Plattformen beschreibt, die sich zunehmend von benutzerorientierten Schnittstellen hin zu automatisierten, KI-gestützten Systemen entwickeln. In diesem Kontext fungieren Plattformen nicht mehr als neutrale Vermittler, sondern als aktive Akteure, die den Zugang zu Wohnraum, das Wohnverhalten und urbane Ungleichheiten prägen. Im Fokus der Untersuchung stehen Plattformen wie ImmoScout24, Wunderflats und Nestpick, die algorithmische Prozesse wie automatisierte Suchfunktionen, Preisempfehlungen, Filtermechanismen und personalisierte Vorschläge in ihren System integrieren. Diese Technologien optimieren nicht nur den Wohnungsmarkt im Sinne der Effizienz, sondern verändern grundlegend, wer wo wohnen kann, unter welchen Bedingungen und zu welchem Preis. Sie umgehen dabei zunehmend klassische Regulierungsmechanismen wie Mietpreisbremsen oder langfristige Mietverträge. In Berlin, einer Stadt mit starkem Mieter*innenanteil und aktiver Wohnungspolitik, werfen diese Entwicklungen dringende Fragen zu Zugangsgerechtigkeit, Regulierungslücken und algorithmischer Steuerung auf. Das Projekt entwickelt ein konzeptionelles Analysemodell, das Erkenntnisse aus der Plattformforschung, digitalen Geographie, Urban Studies und der urbanen Ethnografie verbindet. Methodisch wird ein Mixed-Methods-Ansatz verfolgt, bestehend aus algorithmischen Audits (z. B. Inhaltsanalysen, Expertinneninterviews, Black-Box-Tests), raumbezogener Datenanalyse (öffentliche und durch Scraping gewonnene Plattformdaten) sowie ethnografischer Feldforschung (Interviews mit Mieterinnen, Plattformnutzerinnen und Aktivistinnen). Ziel ist es, ein mehrspaltiges, empirisch fundiertes Verständnis davon zu erarbeiten, wie automatisierte Plattformen Zugang zu Wohnraum vermitteln, das Wohnerleben prägen und Märkte restrukturieren. Das Projekt versteht digitale Plattformen nicht bloß als Marktwerkzeuge, sondern als sozio-technische Infrastrukturen mit eigenem politischem und räumlichem Handlungspotenzial. Damit leistet die Studie einen Beitrag zur kritischen Stadtforschung und zur digitalen Geographie, insbesondere im Hinblick auf Fragen von Automatisierung, algorithmischer Steuerung und wohnungsbezogener Ungleichheit.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung