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Die hydrologischen Extreme des Rheins in der Historie - eine europäische Perspektive
Antragsteller
Dr. Thomas Roggenkamp
Fachliche Zuordnung
Physische Geographie
Förderung
Förderung seit 2025
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 574211654
Ziel des beantragten Forschungsprojekts ist die systematische Rekonstruktion historischer Hoch- und Niedrigwasserereignisse im Rheineinzugsgebiet auf Basis anthropogener Quellen (z.B. Hochwassermarken, Hungersteine, historische Schriftzeugnisse). Das Vorhaben reagiert auf eine zentrale Herausforderung der Risikoforschung: Die verwendeten Pegelmessreihen sind zu kurz, um Extremvariabilität des Abflussgeschehens im Rheinsystem verlässlich abzubilden. Dies hat zur Folge, dass hydrologische Extremereignisse in vielen Fällen unterschätzt werden, wie etwas das Hochwasser im Ahrtal 2021 eindrücklich zeigte. Das Projekt verfolgt drei übergeordnete Ziele: 1: Die Erstellung einer öffentlich nutzbaren, qualitätsgeprüften Datenbank zu historischen Hoch- und Niedrigwasserereignissen im Rheinsystem als Grundlage für Forschung, Risikomodellierung und Gefahrenvorsorge. 2: Die Rekonstruktion historischer Hoch- und Niedrigwasserereignisse hinsichtlich ihrer Scheitelabflüsse, räumlichen Ausdehnung und zeitlichen Dynamik. 3: Die Entwicklung und Validierung eines methodischen Standards für die Nutzung historischer Quellen in der Abflussrekonstruktion. Zur Erreichung der Ziele werden fünf Arbeitspakete (WP) umgesetzt: WP1 bündelt und erhebt Informationen aus historischen Quellen. Neben systematischer Literatur- und Archivarbeit werden Einmessungen vor Ort durchgeführt. WP2 prüft die Daten auf Plausibilität mit etablierten Kriterien und Abgleichen zwischen Marken und Schriftquellen. WP3 berechnet Scheitelabflüsse historischer Extremereignisse mithilfe der Manning-Gleichung, deren Parameter aus Geländeprofilen, Karten, Gemälden, etc. gewonnen werden. WP4 analysiert, wie sich vereinfachte Annahmen (z.B. zu Topographie, Bathymetrie, Auelehm-Aufhöhung) auf die Rekonstruktionsergebnisse auswirken. WP5 untersucht ausgewählte Extremereignisse im Detail, darunter ihre Ursachen, räumliche Ausdehnung und Auswirkungen. Das Projekt schließt eine Forschungslücke an der Schnittstelle von Hydrologie, historischer Klimaforschung und Risikomodellierung. Es leistet einen Beitrag zur Grundlagenforschung, bereitet zentrale Ergebnisse aber auch praxisnah für Politik, Behörden und Versicherungen auf.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
