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Von unidirektionaler zu interaktiver Kommunikation: Einfluss von Stimme und Hintergrundlärm auf das Zuhören und Sprechen

Fachliche Zuordnung Allgemeine, Kognitive und Mathematische Psychologie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 574341080
 
Zuhören und Sprechen sind grundlegende Aspekte der menschlichen Kommunikation. Unter ungünstigen akustischen Bedingungen können jedoch beide Prozesse zur Herausforderung werden, da zusätzliche kognitive Ressourcen erforderlich sind, um störende auditive Reize zu unterdrücken. Problematisch ist dies vor allem in Lernumgebungen wie Hörsälen oder Seminarräumen, wo Stimmstörungen von Dozierenden und Hintergrundlärm den Wissenstransfer gefährden können. Die Auswirkungen von Stimmstörungen und Lärm wurden bislang meist aus Sicht der Zuhörenden oder der Sprechenden untersucht – also im Kontext unidirektionaler Kommunikation –, obwohl Alltagskommunikation oft interaktiv verläuft. Zudem wurden in bisherigen Studien überwiegend unimodale Designs verwendet (z. B. reine Zuhöraufgaben) sowie kurze, stark kontrollierte Sprachmaterialien (isolierte Wörter oder zusammenhanglose Sätze). Inwieweit sich die gewonnenen Erkenntnisse auf reale Kommunikationssituationen mit höherer kognitiver und linguistischer Komplexität übertragen lassen, ist unklar. Ziel dieses Projekts ist es, die Auswirkungen von Stimme und Lärm auf das Zuhören und Sprechen unter realitätsnahen Bedingungen zu untersuchen, mit speziellem Fokus auf (1) Hör- und Sprechanstrengung, (2) Erinnerungsleistung für gehörte Inhalte und (3) Sprechverhalten. Darüber hinaus finden weitere Einflussfaktoren Berücksichtigung, darunter sprecherbezogene visuelle Hinweisreize sowie Veränderungen des auditiven Feedbacks. Während zu Beginn des Projekts zunächst auf unimodale, unidirektionale Paradigmen – wie reine Zuhöraufgaben – zurückgegriffen wird, erfolgt im weiteren Verlauf ein schrittweiser Übergang zu multimodalen, interaktiven Szenarien – wie audiovisuellen Virtual-Reality-Experimenten mit Sprecherwechseln. In den geplanten Studien werden behaviorale Maße (Fehlerraten und Reaktionszeiten), physiologische Indikatoren (Herzratenvariabilität und Pupillenerweiterung) sowie subjektive Bewertungen erfasst. Auf diese Weise wird systematisch untersucht, wie, wann und in welchem Ausmaß Stimme und Hintergrundlärm kommunikative Prozesse beeinflussen. Dieses Projekt wird unser Wissen über akustische Herausforderungen und deren Auswirkung auf kognitive und linguistische Ebenen verbaler Kommunikation maßgeblich vertiefen. Die Ergebnisse werden bestehende Modelle der Sprachwahrnehmung und -produktion erweitern – insbesondere in Bezug auf visuelle Einflüsse, auditive Feedbackmechanismen und diskursbasierte Sprachverarbeitung – und so eine zentrale Grundlage für weiterführende Forschung schaffen.
DFG-Verfahren Emmy Noether-Gruppen
 
 

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