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Untersuchungen zu Relationen von ‚light‘ und ‚learned music‘ der englischen Spätrenaissance
Antragsteller
Privatdozent Dr. Alexander Lotzow
Fachliche Zuordnung
Musikwissenschaften
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 574753269
Die Schrift ist einer sozial- und kulturgeschichtlich fundierten historischen Popularmusikforschung gewidmet, die gleichzeitig einen Abgleich zur kunstwissenschaftlich-analytisch ausgerichteten Musikhistoriographie sucht. Am Beispiel Englands um 1600 analysiert sie anhand einer sich geradezu laborhaft ergebenden lokal-temporalen Spezialkonstellation (vor Überschreiten der Schwelle zum Generalbasszeitalter) sich wandelnde Legitimationsstrategien von Musik mit Blick auf ihre semantisch-semiotischen Grundlagen (v.a. in Abkehr von traditionellen Mimesis-Konzepten im Zeichen umfassender Humanisierungsnarrative), in Wechselwirkung mit dichterischen Erscheinungsformen (die teils direkt soziale Dimensionen, etwa auch Gender-Fragen berühren) sowie mit der Entstehung sich verändernder politisch-gesellschaftlicher Aktionsareale (hier v.a. die sekundären Effekte der englischen Reformation gerade nicht auf sakrale, sondern weltliche Musik). Im Beziehen konkurrierender musiktheoretischer und -ontologischer Ansätze auf soziale Konstellationen wird, philologisch und analytisch begründet, eine Anpassung überkommener Musikbegriffe diskurs- und kompositionsgeschichtlich greifbar gemacht. Ausgangspunkt ist die bei Thomas Morley vorgenommene begriffliche Kodifizierung einer europäischen „light music“ sowie, nach erfolgreichem Kulturtransfer aus dem mediterranen Kunst- und Musik-Diskurs, ihrer spezifisch englischen Konzeptualisierung, die traditionellen Musikbegriffen gegenübertritt. Wesentlich ist die propagierte Doppelbedeutung der „light/learned“-Dichotomie als zunächst kategoriales, dann aber auch relationales Differenzierungstool: Sie befördert die systemtheoretische Denkfigur eines Re-entry, die Re-Introduzierung der Primärdifferenz in das Differenzierte, die gerade für die kompositionsgeschichtliche Behandlung des Feldes ein zentrales heuristisches Werkzeug darstellt, erlaubt sie doch die Beobachtung mehrfach gestaffelter und ineinander gespiegelter Realisierungen der Grund-unterscheidung, nicht bloß ihre lineare Stratifizierung. Sichtbar werden unterschiedliche, rekursiv aufeinander bezogene Dekora der Kunstproduktion, die den sozialen Imperativen, Abgrenzungs- und Aufstiegsambitionen sich neu formierender Mittel- und Oberschichten über kulturelle Betätigung entsprechen. Da das Musikschrifttum, auch Morley selbst, die kompositionsgeschichtliche Konzeptualisierung i.S.v. satzstruktureller Grundierung von „light music“ nicht leistet, haben die unternommenen close readings insofern induktive Funktion, als sie jeweils Grundlagen für weitere Beschäftigung herstellen, über die Schrift hinaus, aber auch in ihr selbst. So kann nach der exemplarischen Behandlung vokaler wie instrumentaler Kompositionsfelder (Consort-Song, Fantasie, Madrigal, Tanzformen) das Finalkapitel zum Ayre eine abschließende thematische Bündelung der Schrift anhand eines spezifischen, kompositionsgeschichtlich bislang kaum erschlossenen Genres leisten.
DFG-Verfahren
Publikationsbeihilfen
