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Die Rolle des Ius Commune in Asien: Recht und Wirtschaft in der Kasuistik von Goa (1563-1606)
Antragsteller
Professor Dr. Mathias Schmoeckel
Fachliche Zuordnung
Grundlagen des Rechts und der Rechtswissenschaft
Frühneuzeitliche Geschichte
Frühneuzeitliche Geschichte
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 574828834
Im Asien des 16. Jahrhunderts, wo sich das portugiesische Kolonialunternehmen parallel zur Missionsarbeit der Jesuiten entfaltete, tauchten viele komplexe Rechtsfälle - oft von wirtschaftlicher Natur - auf. Als die konventionelle Rechtswissenschaft keine klaren Antworten bot, kamen die Lösungen aus einer anderen Art von Literatur: den Schriften der Jesuitentheologen, die sich trotz ihrer vorrangigen Sorge um das Seelenheil eingehend mit komplexen rechtlichen Themen befassten. Dieses Projekt untersucht die kasuistische Literatur, die von diesen Gelehrten zwischen 1563 und 1606 verfasst wurde – ein weitgehend unerforschter Bereich, der für das Verständnis der Anpassung des Rechts an neue Kontexte von entscheidender Bedeutung ist, wenn man die anerkannte Rolle der Moraltheologie bei der Entwicklung des Privatrechts berücksichtigt. Diese Studie untersucht, wie sich die Gelehrten von Goa mit komplexen Fällen aus verschiedenen asiatischen Gebieten auseinandersetzten und, was noch zentraler ist, wie sie bei ihrer Suche nach Antworten auf Quellen, Prinzipien und Konzepte des ius commune – ihres gelernten Rechts – neben europäischen theologischen Texten zurückgriffen. Diese Studie betrachtet das juristische Wissen nicht einfach als aus Europa exportiert, sondern versteht Goa als einen Ort aktiver juristischer Argumentation und normativer Innovation, der von den lokalen Gegebenheiten geprägt war. Mit Hilfe von Archivrecherchen, Manuskriptanalysen und qualitativen Analysen unter Verwendung spezieller Software wird das Projekt Quellen, Themen und rechtliche Strategien darstellen und katalogisieren und die Daten über Fälle, Herkunftsregionen und Autoren hinweg in Beziehung setzen. Eine vergleichende Analyse – sowohl zwischen den goaischen Gelehrten als auch zwischen ihnen und ihren europäischen Kollegen – wird die lokalen Besonderheiten weiter hervorheben. Die zentrale Hypothese ist, dass Jesuitengelehrte in Goa pragmatisch den Rahmen des ius commune anpassten, um neuartige Rechtsfragen in einem kolonialen Umfeld zu lösen, und innovative Ansätze förderten, die sowohl von der Tradition als auch von den Bedürfnissen der Mission in Asien geprägt waren. Diese Forschung wird ein klareres Bild der juristischen Strategien liefern, die zur Lösung komplexer Fälle in diesem vielschichtigen kolonialen Kontext verwendet wurden, sowie deren breitere Bedeutung in der Geschichte der Entwicklung des Privatrechts.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Belgien
Kooperationspartner
Professor Dr. Wim Decock; Professor Dr. Jean-Pascal Gay
