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Praxiswissen versus Naturwissenschaft: Dreifarbendruck und physikalische Farbenlehre im frühen 18. Jahrhundert
Antragsteller
Professor Dr. Friedrich Steinle
Fachliche Zuordnung
Wissenschaftsgeschichte
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 575708958
Das Projekt befasst sich mit der Schnittstelle von Wissen der handwerklich-künstlerischen Praxis und der Naturwissenschaft in einer besonders markanten historischen Konstellation. Im frühen 18. Jahrhundert kam das Farbwissen von Künstlern und Handwerkern erstmals in direkten Kontakt und Reibung mit Wissensansprüchen der Naturphilosophie. In seiner Farbentheorie von 1704 hatte Newton die traditionelle Dreifarbenlehre der Künstler durch eine ganz anders geartete ersetzt, aber nur wenig später feierte die erstgenannte mit dem erstmals erfolgreichen Vollfarbendruck aus drei Grundfarben einen triumphalen Erfolg. In dem damit eröffneten Spannungsfeld positionierten sich einige der prominenten Praktiker explizit, wenngleich in sehr unterschiedlicher Weise, von Abgrenzungsbemühungen zu heftiger Polemik. Eine praxisbasierte Systematisierung von Farben kam hier erstmals in direkten Kontakt und Auseinandersetzung mit akademisch-/naturphilosophischen Ansprüchen. Das Projekt möchte dieses Spannungsfeld erstmals in seiner Dynamik und seinen epistemischen, sozialen, kulturellen und ökonomischen Aspekten untersuchen. Es geht um Wissensgenerierung im Kontext praktischen Arbeitens, um die Konstellationen, die zur Auseinandersetzung mit der optischen Farbenlehre führten, um die zeitlichen und räumlichen Verschränkungen der Materialien, Objekte und Verfahren, die hier in dynamischen, bisweilen konfliktgeladenen Kontakt kamen, insgesamt um die Auseinandersetzung des Praktikerwissens mit den anders gearteten Wissensansprüchen der Naturwissenschaften. Im Zentrum der historischen Untersuchung stehen zum einen die Aktivitäten und Überlegungen des Drei- (bzw. Vier-) farbendruckers Jacques Fabien Gautier d’Agoty, zum anderen die Resonanz in den Lehrbüchern der Experimentalphysik, und schließlich die entsprechenden Einträge in der französischen Encyclopédie, die ja ausdrücklich den Anspruch erhob, Praktikerwissen und Naturphilosophie gleichermaßen zu präsentieren. Das Vorhaben wird nicht nur das Zustandekommen einer Wissenskonstellation erkunden, die noch weit ins 19. Jh. hinein die Farbendiskussion prägen sollte, sondern auch die Diskussion zur Interaktion von Praxiswissen und akademischem Wissen um einen Fall der offenen Kontroverse markant bereichern.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
