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Individuelle Risikoprädiktion zur malignen Transformation bei intraduktalen papillären muzinösen Neoplasien des Pankreas

Antragstellerin Dr. Viola Maria Pleines
Fachliche Zuordnung Allgemein- und Viszeralchirurgie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 575952590
 
Aufgrund der zunehmenden Verfügbarkeit hochauflösender bildgebender Verfahren werden zystische Läsionen des Pankreas immer häufiger zufällig entdeckt. Intraduktale papillär-muzinöse Neoplasien (IPMN) stellen als Vorläuferläsion des Pankreaskarzinoms eine spezifische Subgruppe dieser Läsionen dar, deren biologisches Verhalten hinsichtlich des malignen Potenzials stark variiert. Da chirurgische Eingriffe am Pankreas mit erheblichen Risiken verbunden sein können, zugleich aber eine verzögerte Operation bedeuten kann, ein potenziell heilbares Karzinom zu übersehen, stellt das klinische Management eine erhebliche Herausforderung dar. Bisherige Leitlinien beruhen primär auf radiologischen Kriterien und überschätzen das tatsächliche Malignitätsrisiko, sodass bis zu 30 % der Operationen retrospektiv als Übertherapie gelten. Es fehlen verlässliche Instrumente zur personalisierten Risikoabschätzung. Ziel des geplanten Projekts ist daher die Entwicklung eines Entscheidungsmodells, das individuelles Malignitäts- und Operationsrisiko systematisch mit den persönlichen Therapiepräferenzen der Patient:innen (Cancer Risk Threshold, CRT) verknüpft. Das Arbeitsprogramm umfasst vier Schritte: Im ersten Schritt entsteht auf Basis einer umfassenden Kohorte der New York University (≈150 operierte, ≈10 000 nicht operierte IPMN-Fälle) mittels multivariater Regression und Machine-Learning ein prognostisches Risikomodell. Dieses kombiniert klinische und radiologische Parameter zur individuellen Vorhersage einer high-grade-Dysplasie oder eines invasiven Karzinoms. Parallel dazu werden mithilfe diskreter Auswahlexperimente die persönlichen Risikoschwellen (CRT), also die Schwelle, an dem der Nutzen einer Operation die Risiken überwiegt, von 350 Patient:innen erfasst. Mittels latenter Klassenanalyse lassen sich so typische Profile der individuellen Risikowahrnehmung und Präferenzen identifizieren. Im dritten Schritt werden diese Risikoprofile in eine Entscheidungsmodell integriert, mithilfe dessen anhand qualitätsadjustierter Lebensjahre individuell bewertet wird, ob eine Operation oder Surveillance zu bevorzugen ist. Das entwickelte Modell wird anschließend als klinisches Tool in der Praxis pilotiert. Abschließend erfolgt eine Erweiterung des Modells um molekulare Diagnostik (Liquid Biopsy). Hierbei liegt ein Fokus auf der Bewertung des additiven diagnostischen Nutzens molekularer Marker in der Risikostratifizierung. Erstmals werden operierte und konservativ überwachte IPMN-Fälle gemeinsam analysiert, wodurch systematische Verzerrungen reduziert werden. Zudem werden innovative molekulare Marker und individuelle Patientenpräferenzen integriert, um die Qualität der klinischen Entscheidung deutlich zu verbessern. Das daraus resultierende Tool könnte langfristig helfen, Hochrisiko-Fälle frühzeitig zu erkennen, unnötige Operationen zu vermeiden und somit die Lebensqualität der Betroffenen nachhaltig zu steigern.
DFG-Verfahren WBP Stipendium
Internationaler Bezug USA
 
 

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