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Kultureller und ökonomischer Extraktivismus. Archäologie, Museumsbildung und Rohstoffförderung im Nahen Osten, 1901–1946

Fachliche Zuordnung Kunstgeschichte
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 576029102
 
Das beantragte Forschungsvorhaben untersucht die historischen Verflechtungen von Archäologie, Erdölindustrie und musealer Sammlungspraxis im Nahen Osten zwischen 1901 und 1946. Im Zentrum steht die Frage, wie sich infrastrukturelle, ökonomische und epistemologische Logiken im Kontext extraktiver Ökonomien überlagerten und die Entstehung musealen Wissens prägten. Ziel ist es, diese kaum erforschten Schnittstellen systematisch zu analysieren und zur Globalgeschichte von Museen und Wissenschaftsproduktion beizutragen. Obwohl die archäologische Forschung der letzten Jahre verstärkt geopolitische und kolonialkritische Perspektiven einbezieht, bleiben die finanziellen und industriellen Bedingungen archäologischer Unternehmungen weitgehend unberücksichtigt. Auch in der kulturwissenschaftlichen Ölforschung ist die Auseinandersetzung mit archäologischen Praktiken bislang ein blinder Fleck. Das Projekt schließt diese Lücke, indem es Ausgrabungsaktivitäten und Erdölgewinnung im Nahen Osten erstmals relational untersucht. Im Fokus stehen dabei Objekte, deren Weg aus Förder- und Grabungszonen in Museen in den USA und Europa nachvollzogen wird. Methodisch basiert das Projekt auf transregionaler Quellenarbeit, der Analyse von Infrastrukturkarten, Unternehmensarchiven, Grabungsberichten, Korrespondenzen, Museumsdokumenten sowie Bild- und Filmmaterial. Es verbindet Ansätze aus Wissenschafts- / Archäologie-, Technik- und Museumsgeschichte und gliedert sich in drei eng aufeinander abgestimmte Arbeitspakete: AP 1 untersucht europäische Akteure (darunter Museen, Grabungsinstitutionen und Ölgesellschaften) und deren Verflechtungen im mandatszeitlichen Nahen Osten. Im Fokus stehen infrastrukturelle, finanzielle und personelle Netzwerke zwischen Archäologie, Ressourcenerschließung und kolonialer Verwaltung. AP 2 analysiert US-amerikanische Konstellationen kulturellen Extraktivismus, insbesondere das Zusammenspiel von philanthropisch finanzierter Archäologie, religiöser Rahmung, akademischer und wirtschaftlichen Interessen. Beide Pakete werden jeweils im Rahmen einer Dissertation erschlossen und erlauben im Zusammenspiel einen differenzierten Vergleich transatlantischer Akteurskonstellationen. Ergänzend dazu entwickelt AP 3 unter Leitung der Antragstellerin einen kommentierten Atlas extraktiver Bewegungen von Kulturgütern und Rohstoffen im Nahen Osten (1901–1946), der Transfers, Leerstellen und epistemische Verschiebungen kartografisch visualisiert. Die Kombination historischer Fallstudien mit kritischer Kartografie eröffnet neue Perspektiven auf westliche Wissensordnungen, materielle Kulturen und die Geschichte von Museen – insbesondere im Licht aktueller Debatten zu Extraktivismus und globalem Kulturerbe.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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