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Eine Untersuchung der intergenerationalen Weitergabe von Depression und Angststörungen: Dysfunktionale Muster der Stressreaktivität und -erholung in Eltern-Kind-Dyaden

Antragstellerin Dr. Lena Pfeifer
Fachliche Zuordnung Biologische Psychologie und Kognitive Neurowissenschaften
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 576091215
 
Dieser Antrag umfasst ein zweijähriges Projekt im Depression, Anxiety, and Stress Lab (University of British Columbia, Vancouver, Kanada) unter der Supervision von Prof. LeMoult. Das Projekt soll die intergenerationale Weitergabe der Depression (MDD) und der Angststörung (AD) in ihren stressbezogenen Komponenten untersuchen. Dies ist relevant, da 50% der Kinder psychisch erkrankter Eltern selbst eine Psychopathologie entwickeln, wobei dysfunktionales Elternverhalten als treibender Faktor vermutet wird, der die Entwicklung maladaptiver Stressresponsivität (veränderte physiologische Reaktivität, schwache Emotionsregulationskapazitäten und kognitive Biases) in Kindern triggert. Eltern und Kinder (8-12 Jahre) aus n=50 Hoch-Risiko- (Elternteil mit MDD/AD) und n=50 Kontroll- (gesundes Elternteil) Familien (Kinder in beiden Gruppen ohne Psychopahtologie) sollen separat den Trier Social Stress Test (TSST; Kinderversion für die Kinder) absolvieren. Die Stressreaktivität soll durch physiologische (Cortisol, Herzrate) und subjektive (selbstberichteter Affekt) Marker erfasst werden. Ich nehme an, dass Eltern mit MDD und AD im Vergleich zu Kontrolleltern eine veränderte Stressreaktivität zeigen und dass dies auch in deren Kindern der Fall ist, bevor sie klinische Symptome entwickeln. Nach dem TSST soll die Hälfte der Dyaden wiedervereint werden. Diese Wiedervereinigung soll aufgezeichnet und auf suboptimales Elternverhalten (Negativität und Überkontrolle) analysiert werden. Ich erwarte, dass psychisch erkrankte Eltern suboptimales Verhalten öfter zeigen als gesunde Kontrolleltern, wobei sich die relative Expression von Negativität und Überkontrolle zwischen MDD und AD unterscheiden könnte. Entsprechend dürfte eine veränderte Stressreaktivität in jenen Kindern verstärkt sein, die in der Wiedervereinigung dysfunktionalem Elternverhalten ausgesetzt waren. Schließlich sollen alle Dyaden separat eine Erholungsphase durchlaufen, während Stressreaktivitätsmarker sowie Maße selbstberichteter emotionaler Unterdrückung, kognitiver Umbewertung und Rumination auf Seiten des Kindes erhoben werden. Ich nehme an, dass Kinder psychisch erkrankter Eltern, die mit ihren Eltern wiedervereint wurden, die am stärksten dysfunktionale Erholung zeigen. 24h später sollen die Kinder ihre Erinnerungen an die Testung und (sub)klinische Symptome berichten. Ich erwarte, dass Kinder von Eltern mit MDD und AD, die mit ihren Eltern wiedervereint wurden, die stärksten Biases in ereignisbezogenen Kognitionen, selbstbezogenen Schemata und (sub)klinischen Symptome zeigen. Im Vergleich zur bisherigen Forschung wendet dieses Projekt einen stärkeren Stressor an und ermöglicht eine diagnoseübergreifende Analyse. Entsprechend trägt das Projekt dazu bei, zu verstehen, wie Stress und Elternverhalten die intergenerationale Weitergabe psychischer Störungen mediieren, wodurch Risikomarker und Interventionsansätze enttarnt werden könnten.
DFG-Verfahren Stipendium
Internationaler Bezug Kanada
 
 

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