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Kollektivismus und Individualismus im Aktienrecht – Zum Einfluss aktienrechtlicher Paradigmen auf die Rechtsentwicklung in Deutschland und den USA

Antragsteller Dr. Alexander Sajnovits
Fachliche Zuordnung Privatrecht
Förderung Förderung in 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 576242791
 
Mit der Dichotomie von Satzungsstrenge und Vertragsfreiheit im Aktienrecht, der rechtlichen Eigenständigkeit der Aktiengesellschaft nebst einem von den Aktionären unabhängigen Zweck, dem Organisationsrecht der AG sowie dem Status der Aktionäre werden grundlegende Probleme des Aktienrechts adressiert. Ist die Satzung ein Vertrag, dessen Mit der Dichotomie von Satzungsstrenge und Vertragsfreiheit im Aktienrecht, der rechtlichen Eigenständigkeit der Aktiengesellschaft nebst einem von den Aktionären unabhängigen Zweck, dem Organisationsrecht der AG sowie dem Status der Aktionäre werden grundlegende Probleme des Aktienrechts adressiert. Ist die Satzung ein Vertrag, dessen Inhalt zur Disposition der Aktionäre steht? Ist der Zweck der Aktiengesellschaft allein in der Gewinnmaximierung der Gesellschaft oder gar in der Maximierung ihres Aktienkurses zu sehen, oder müssen auch die Interessen anderer Stakeholder oder sogar das Allgemeinwohl berücksichtigt werden? Welchen Bindungen unterliegen die für die Aktiengesellschaft handelnden Personen, und wem gegenüber sind sie rechenschaftspflichtig? Welche Rolle kommt den Aktionären zu, und wie können diese auf die Aktiengesellschaft bzw. ihre Verwaltung Einfluss nehmen? Sind sie dabei ihrerseits rechtlichen Bindungen gegenüber der Gesellschaft, den Mitaktionären oder gar der Allgemeinheit unterworfen? Im deutschen Recht einerseits und dem US-amerikanischen Recht andererseits werden diese Themen auf der Grundlage zweier unterschiedlicher aktienrechtlicher Paradigmen diskutiert. Diese Paradigmen stellen einen gemeinsamen Rahmen dar, in dem Theorien entwickelt und wissenschaftliche Diskussionen geführt werden, ebenso wie Rechtsprechung und Rechtssetzung stattfinden. Dieser Rahmen beruht auf einer gemeinsamen (Wissenschafts-)Sprache, übereinstimmenden Grundkonzepten (rechtlicher) Ordnung und einer im Wesentlichen übereinstimmenden Weltsicht. Im Sinne Ludwig Flecks könnte man auch von „Denkstilen“ sprechen. Die Unterschiede in den aktienrechtlichen Paradigmen oder „Denkstilen“ lassen sich durch die Gegenbegriffe Kollektivismus (Deutschland) und Individualismus (USA) knapp kennzeichnen. Dieser unterschiedliche Ausgangspunkt hatte und hat vielfältige Implikationen für die Aktienrechtsentwicklung in den beiden Jurisdiktionen. Ziel dieser Arbeit ist es, die dem Aktienrechtsdiskurs und der Aktienrechtsentwicklung in Deutschland einerseits und den USA andererseits zugrunde liegenden Paradigmen herauszuarbeiten und die Aktienrechtsentwicklung in beiden Jurisdiktionen vor dem Hintergrund dieser Paradigmen aufzuzeigen und einzuordnen. Zudem sollen beispielhaft einige auch auf der erarbeiteten Grundlage erklärliche Unterschiede zwischen der deutschen und der US-amerikanischen Aktienrechtsordnung aufgezeigt werden. Mit Blick auf einige jüngere Entwicklungen, die das Potenzial haben, auch das PD Dr. Alexander Sajnovits, M.Sc. (Oxford) Privatdozent Johannes Gutenberg-Universität Mainz Professurvertreter Universität Münster Aktienrecht zu verändern, wird zudem der Frage denkbarer Paradigmenwechsel (paradigm shifts) und damit zusammenhängend einer möglichen Konvergenz der Aktienrechtsordnungen der beiden Jurisdiktionen nachgegangen. Die aktienrechtlichen Paradigmen, deren Verwurzelung in den (geistes-)geschichtlichen Fundamenten der beiden Rechtsordnungen sowie die sich entwickelten (rechtsdogmatischen) Konsequenzen stehen dabei im Mittelpunkt der Untersuchung. Diese Perspektive legt tiefgreifende (Denk-)Unterschiede im Innen- bzw. Organisationsrecht der Aktiengesellschaften zwischen den beiden Jurisdiktionen offen, die nicht nur zu rechtsdogmatischen, sondern auch zu rechtspraktischen Unterschieden führen und verspricht daher einen Erkenntnisgewinn (auch für die Rechtsvergleichung).
DFG-Verfahren Publikationsbeihilfen
 
 

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