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Abgestufte Geschlechteridentifikation, Arbeits- und Fürsorgepraktiken und psychisches Wohlbefinden in europäischen Geschlechterregimen
Antragstellerin
Professorin Pia Sophia Schober, Ph.D.
Fachliche Zuordnung
Empirische Sozialforschung
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 576272384
Trotz aktiver Gleichstellungspolitik ist Geschlecht nach wie vor ein bestimmendes Merkmal in reichen Gesellschaften mit anhaltenden Unterschieden zwischen Männern und Frauen, u. a. bei der Zeitverwendung, wirtschaftlichem und psychischem Wohlbefinden. Bisher haben sich die meisten Forschungsarbeiten auf Unterschiede zwischen Männern und Frauen konzentriert. Binäre Maße für das biologische oder soziale Geschlecht einer Person unterschätzen jedoch die Vielfalt der Geschlechtsidentitäten und stehen im Widerspruch zu den mehrdimensionalen Konzepten von Geschlecht in der modernen Soziologie und Psychologie. Dieser Projektvorschlag argumentiert, dass differenziertere Maße zur Selbstkategorisierung der Geschlechtsidentität eine Lücke bei der Messung der Geschlechtsidentität schließen und bereichsspezifische Maße geschlechtsbezogener Einstellungen ergänzen können. Dieses Projekt zielt darauf ab, Potenziale und Fallstricke von abgestuften Selbsteinschätzungen von Männlichkeit und Weiblichkeit unter Verwendung von repräsentativen Querschnittsdaten aus 35 europäischen Ländern sowie von Paneldaten aus Grossbritannien und Deutschland zu untersuchen, einschließlich eines Priming-Experiments und offener Fragen. Im ersten Teil des Projekts nutzen wir die erheblichen Unterschiede in institutionellen Geschlechterstrukturen in Europa um individuelle, interaktionelle und institutionelle Einflüsse auf graduelle Geschlechtsidentitäten in über 200 Regionen in 35 europäischen Ländern auf Grundlage des European Social Survey 2023 zu untersuchen. Zweitens um die für graduelle Geschlechtsidentifikation berücksichtigten Aspekte für verschiedene Gruppen besser zu verstehen, werden wir Zusammenhänge mit Alltagspraktiken, Körper- und Persönlichkeitswahrnehmung europaweit und mit Freitextassoziationen im deutschen GESIS Panel.Population Sample betrachten. Drittens wird ein Priming-Experiment im deutschen GESIS Panel.pop beleuchten, ob die Betonung historischer Variationen in Kategorisierung von biologischem und sozialem Geschlecht polarisierte Geschlechtsidentifikation reduzieren kann. Um unser Verständnis des Erklärungspotentials von graduellen Maßen der Geschlechtsidentifikation zu stärken, wird der vierte Teil Zusammenhänge mit Veränderungen in der bezahlten und unbezahlten Arbeit und im subjektiven Wohlbefinden während des Übergangs zur Elternschaft untersuchen, wobei Daten aus zwei repräsentativen Panelstudien in Großbritannien und Deutschland zusätzlich zu einem europaweiten Querschnittsvergleich verwendet werden. In Kombination zielen die vier Projektteile darauf ab, das inhaltliche Potenzial einer graduellen Konzeptualisierung und Operationalisierung von Geschlechtsidentität für ein differenzierteres Verständnis von Geschlechtervielfalt in den quantitativen Sozialwissenschaften zu beleuchten und gleichzeitig methodische Fallstricke anhand repräsentativer Daten europäischer Länder zu berücksichtigen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
