Detailseite
Suizid als Prisma: Liminale Perspektiven auf die frühe Geschichte Chinas (400 v.Chr. - 400 n.Chr.)
Antragstellerin
Dr. Kathrin Leese-Messing
Fachliche Zuordnung
Asienbezogene Wissenschaften
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 576355407
Das geplante Forschungsprojekt „Suizid als Prisma: Liminale Perspektiven auf die frühe Geschichte Chinas (400 v. Chr. – 400 n. Chr.)“ schließt eine bedeutende sinologische Forschungslücke. Trotz der weithin anerkannten Bedeutung und des Potenzials des Themas Suizid in der chinesischen Geschichte – und trotz der häufigen Bezugnahme auf historisch-kulturelle Dispositionen in Diskussionen über zeitgenössische Suizidraten – wurde es im Hinblick auf die Periode von der Zeit der Streitenden Reiche bis zum frühen Mittelalter bisher kaum behandelt. Anstatt bestehenden Tendenzen zur Vereinfachung zu folgen, schlägt das Projekt eine nuancierte, historisierende Analyse vor, die Pluralität und Wandel in den Suizidpraktiken und -vorstellungen der Antike in den Vordergrund stellt. Auf der Grundlage antiker Texte – von historiographischen und philosophischen Schriften bis hin zu medizinischen Texten und ausgegrabenen Rechtsdokumenten – betrachtet die Studie Suizid nicht als zeitlose „chinesische Tradition“, sondern als historisch bedingtes, vielschichtiges Phänomen. Vorarbeiten zeigen eine deutliche Variation über Kontexte und Zeit hinweg, mit Beispielen, die von elitären politischen Debatten über die Institutionalisierung der "Gewährung des Todes" bis hin zu medizinischen Anleitungen zur Wiederbelebung von Suizidopfern reichen. Das Projekt wird in der Veröffentlichung einer wissenschaftlichen Monographie (in englischer Sprache) zur Geschichte des Suizids in China von ca. 400 v. Chr. bis 400 n. Chr. münden. Das Forschungsvorhaben verfolgt dabei drei zentrale Ziele: 1) Aufdeckung synchroner Pluralität – Identifizierung gleichzeitig existierender Suizidpraktiken und korrespondierender Vorstellungen innerhalb der untersuchten Periode. 2) Erfassung diachronen Wandels – Untersuchung, wann spezifische Praktiken oder Diskurse entstanden, an Bedeutung gewannen, verloren oder sich wandelten, und Kontextualisierung dieser Veränderungen als Teil sozialer, politischer und religiöser Entwicklungen. 3) Aufzeigen vielschichtiger Verflechtungen – Nutzung des Themas Suizid als Prisma zur Analyse zentraler Fragen der frühen chinesischen Geschichte und Gesellschaft. Fünf miteinander verknüpfte Parameter (Glaubensvorstellungen, Status, Geschlecht, Politik und Krankheit) strukturieren die Untersuchung und gewährleisten eine differenzierte Behandlung des sensiblen Forschungsthemas. Durch die Integration vielfältiger Perspektiven und die Verfolgung von Veränderungsprozessen im Zeitverlauf wird das Projekt essentialistische Narrative hinterfragen, eine neue Perspektive auf die Geschichte des frühen China eröffnen und zu vergleichenden Studien über Suizid in verschiedenen Kulturen und Epochen beitragen.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
