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Auf der Schwelle zum Gefängnis – Eine Ethnografie zu polizeilichen Interventionen bei Jugenddelinquenz in Westkanada

Antragstellerin Dr. Katharina Leimbach
Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Kriminologie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 576564889
 
In der Kriminalsoziologie begegnen wir häufig Personen, die sogenannte „kriminelle Karrieren“ durchlaufen haben. Qualitative Interviews mit Inhaftierten zeigen, dass viele bereits frühzeitig und wiederholt mit Institutionen sozialer Unterstützung und Kontrolle in Kontakt standen. Unklar bleibt jedoch, wie entsprechende Programme konkret umgesetzt werden und warum es trotz institutioneller Interventionen vielen nicht gelingt, dauerhaft ein straffreies Leben zu führen. Die Interaktionen zwischen Jugendlichen und Institutionen sozialer Kontrolle – insbesondere der Polizei – in der kritischen Phase unmittelbar vor einer möglichen Inhaftierung ist bislang weitgehend unerforscht. Trotz der zunehmenden Relevanz von Diversions- und Präventionsstrategien ist wenig darüber bekannt, wie die Polizei auf Jugendliche reagiert, die sich bereits an der Schwelle zum Strafvollzug befinden. Die explorative Studie untersucht ethnografisch polizeiliche Interventionen, die darauf abzielen, eine Inhaftierung junger Menschen abzuwenden. Im Fokus stehen die Dynamiken, Praktiken und situativen Logiken dieser Interaktionen sowie die subjektiven Wahrnehmungen der beteiligten Akteurinnen. Untersucht wird dabei, wie die Interaktionen zwischen Polizeibeamtinnen und Jugendlichen im Rahmen einer spezifischen Maßnahme strukturiert sind und von beiden Seiten erlebt werden. Obwohl der institutionelle Umgang mit Jugenddelinquenz in Deutschland einen umfangreichen Forschungskorpus aufweist, stellt qualitativ-ethnografische Forschung, die nicht ausschließlich auf Wirksamkeit und Evaluation fokussiert, einen Nischenbereich dar. Dabei beinhaltet eine ethnografischee Perspektive den polizeilichen Umgang mit Jugenddelinquent das Potenzial die Eigensinnigkeiten solcher institutionellen Interaktionen und ihren unintendierten Nebeneffekte zu beleuchten. Eine kulturvergleichende Perspektive auf polizeiliche Interventionen in diesem Bereich wurde bisher nicht eingenommen. Das Projekt zielt damit auch auf eine Perspektiverweiterung indem institutionelle Praktiken kultursensibel untersucht werden, um den Grundstein für eine kulturvergegleichende Devianzforschung zu legen.
DFG-Verfahren Stelle
 
 

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