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Neuronale Mechanismen von Kommunikation in Gesprächsinteraktionen

Fachliche Zuordnung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Phoniatrie und Audiologie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 576735417
 
Mündliche Kommunikation ist von zentraler Bedeutung für unser soziales und berufliches Leben. Das dafür erforderliche Sprachverständnis wurde jedoch bislang meist unter isolierten, kontrollierten Laborbedingungen untersucht. Diese Untersuchungen verwendeten häufig Sprachmaterial, das für tatsächliche Gespräche unrealistisch ist, beinhalteten keine sozialen Interaktionen zwischen Teilnehmern, und betrachteten oft unrealistisch niedrige Signal-Rausch-Verhältnisse in Bezug auf Hintergrundgeräusche. Diese Studie zielt darauf ab, naturalistische Konversationen zwischen Paaren von Versuchspersonen zu untersuchen. Wir wollen studieren, welche Gesprächsfaktoren den wahrgenommenen Erfolg des Gesprächs beeinflussen, sowie zugrundeliegende neuronale Mechanismen bestimmen. Hinsichtlich der neuronalen Mechanismen werden wir uns auf die Synchronizität der Gehirnaktivität zwischen den beiden Teilnehmern konzentrieren, insbesondere in den Delta- und Theta-Frequenzbändern. Diese beiden Frequenzbänder spielen nämlich eine entscheidende Rolle beim Sprachverständnis, insbesondere im Hinblick auf die neuronale Verfolgung von Amplitudenschwankungen in der Sprache, die wiederum zur Synchronisierung der neuronalen Aktivität zwischen den Gesprächspartnern beitragen kann. Wir werden sowohl die neuronale Synchronizität als auch die neuronale Sprachverfolgung quantifizieren und untersuchen, wie sie mit dem Gesprächserfolg zusammenhängen. Naturalistische Konversationen können den Lombard-Effekt beinhalten – eine automatische und unbeabsichtigte Veränderung der Artikulation, wie etwa eine höhere Sprachintensität und eine erhöhte Grundfrequenz, in Anwesenheit von Hintergrundgeräuschen. Im ersten Teil der Studie werden wir uns auf naturalistische Gespräche konzentrieren, die durch ein spezielles experimentelles Design den Lombard-Effekt ausschließen. Dabei werden wir (1a) die Abhängigkeit des Gesprächserfolgs von der Art des Gesprächs sowie von der Art und Intensität der Hintergrundgeräusche bestimmen und (1b) neuronale Marker des Gesprächserfolgs identifizieren. Der zweite Teil der Studie wird dann den Lombard-Effekt einbeziehen. Wir werden (2a) den Lombard-Effekt in naturalistischen Konversationen mit Hintergrundgeräuschen quantifizieren und dessen Einfluss auf den Gesprächserfolg untersuchen sowie (2b) feststellen, inwieweit die in (1b) identifizierten Marker des Gesprächserfolgs auf Gesprächssituationen anwendbar sind, in denen der Lombard-Effekt auftritt. Zukünftige Anwendungen der vorgeschlagenen Arbeit liegen beispielsweise in der Testung von Algorithmen für Hörprothesen. Gespräche in Hintergrundgeräuschen können für Menschen mit Hörschäden besonders schwierig sein, selbst wenn sie Hörgeräte tragen. Wir hoffen, dass die hier untersuchten naturalistischen Konversationen und die identifizierten neuronalen Marker zur Entwicklung zukünftiger Geräuschreduzierungstechniken beitragen werden, die es Hörgeräteträgern erleichtern, an realen Gesprächen teilzunehmen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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