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Sprechvorbereitung bei der Gesprächsübergabe in Konversationen

Fachliche Zuordnung Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 577415247
 
In alltäglichen Gesprächen erfolgt der Wechsel zwischen Gesprächspartner:innen erstaunlich schnell, mit Lücken zwischen den Gesprächsanteilen (Turns) von etwa 200-300 ms, insbesondere im Vergleich zu Reaktionszeiten von etwa 600 ms bei Benennungsaufgaben in psycholinguistischen Laborstudien. Um diese schnellen Wechsel zu erreichen, müssen die Sprecher:innen ihre nächste Äußerung schon während des laufenden Turns planen. Außerdem müssen sie abschätzen können, wann der aktuelle Turn endet, um Überschneidungen und übermäßig lange Lücken zu vermeiden. In diesem Projekt werden wir mittels physiologischer Daten Signale im aktuellen Turn identifizieren, die mit dem Planungsbeginn und der Vorhersage des Endes des nächsten Gesprächsbeitrages in Verbindung stehen. Bislang basiert die Zeit zwischen dem Ende des aktuellen Gesprächsbeitrages und dem Beginn des nächsten Gesprächsbeitrages (der so genannte Floor Transfer Offset FTO) in Dialogen auf Messungen des akustischen Signals. Dasselbe gilt für die Reaktionszeit (RT, gemessen vom Beginn des Startsignals bzw. Stimulusonset bis zum akustischen Beginn der Antwort) in Benennungsexperimenten. Die Sprechvorbereitung wird jedoch weit vor dem akustischen Beginn initiiert, mit einer Inhalation (zumindest bei längeren Äußerungen) und dem Beginn von artikulatorischen Sprechbewegungen zur Erzeugung des initialen Sprachlautes. Daher überschätzt die Verwendung des akustischen Signals zur Messung des Sprechbeginns die Planungszeit, sowohl beim Turn-taking als auch bei der Reaktionszeit. Ziel dieses Projekts ist es, die Planung von der Ausführung bei der Sprechvorbereitung zu trennen, um zu untersuchen, wie und wann Sprecher:innen das Sprechen initiieren. In einem innovativen Versuchsdesign mit gleichzeitiger Aufzeichnung der Atmungsbewegungen mit der Respiratorischen Induktionsplethysmographie (RIP) und der Sprechbewegungen mit der Elektromagnetischen Artikulographie (EMA) werden präzisere zeitliche Messungen der Verhaltenskomponenten der Sprechvorbereitung erhoben, die es uns ermöglichen, besser zu verstehen, wie die Gesprächsübergabe funktioniert. Zu diesem Zweck werden wir die Atmungsaktiviät und die Bewegungen der Sprechorgane in hochgradig kontrollierten Benennungsexperimenten mit zwei Dialogszenarien vergleichen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
Internationaler Bezug Schweden, USA
 
 

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