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Synchrone und diachrone Basistypologie der semantischen Genuszuweisung: eine umfassende Studie zu afrikanischen Sprachen

Fachliche Zuordnung Allgemeine und Vergleichende Sprachwissenschaft, Experimentelle Linguistik, Typologie, Außereuropäische Sprachen
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 577556706
 
Das Ziel des Projekts ist eine umfängliche typologische Untersuchung von Genussystemen in afrikanischen Sprachen, einschließlich solcher, die nur genussensitive Pronomina aufweisen, und widmet sich konkret der semantischen Genuszuweisung. Vor dem Hintergrund der angenommenen Grundunterscheidung zwischen sexus-basierten und nicht-sexus-basierten Systemen in bisherigen typologischen Ansätzen fokussiert das Projekt insbesondere auf weniger systematisch erforschte Zuweisungsprinzipien, die auf den Merkmalsoppositionen ±belebt und ±menschlich beruhen, sowie deren Beziehung zueinander, und zur Opposition maskulin vs. feminin. Durch die bisherige Priorisierung der sexus-basierten Unterscheidung trat das Vorkommen von belebt- und menschlich-basierter Genuszuweisung in den Hintergrund und wir erwarten, dass diese insgesamt häufiger ist als bisher wahrgenommen. Darüber hinaus führt die systematische Betrachtung von drei statt einem semantischen Kriterium zu einem vollständigeren und detaillierteren typologischen Muster von Grundtypen der Genuszuweisung, deren Verteilung auf dem afrikanischen Kontinent auf der Basis einer neuen umfassenden Projektdatenbank systematisch erforscht werden soll. Dieses Ziel wird durch eine entsprechende Analyse in allen relevanten Sprachgruppen Afrikas erreicht. Von den 111 in Betracht gezogenen sprachlichen Einheiten des Kontinents wurden bisher 74 identifiziert, die Sprachen mit einem Genussystem besitzen, und diese werden bezüglich ihrer semantischen Genuszuweisung vollständig untersucht. Dies schließt die Suche nach Fällen sogenannter “konkurrenter Nominalklassifikation” ein, d.h., das Auftreten von mehr als einem Genussystem in einer Sprachgruppe oder sogar einer Einzelsprache. Die Ergebnisse der synchronen sprachvergleichenden Typologie ermöglichen wiederum eine Analyse der Veränderungen von Genuszuweisung im Sprachwandel. Im Rahmen des diachronen typologischen Ansatzes werden wir mögliche Regelmäßigkeiten in Hinsicht darauf identifizieren, welche Zuweisungssysteme tendenziell zuerst entstehen und wie verschiedene Systeme ausgebaut oder vereinfacht werden. Darüber hinaus wenden wir auf ausgewählte Sprachfamilien die historisch-vergleichende Methode an. Unsere synchronen und diachronen Ergebnisse gehen schließlich in eine umfängliche areal-typologische Studie ein, die auch quantitative Methoden einschließt. Diese hat zum Ziel, die moderne Verteilung der verschiedenen Systemtypen semantischer Genuszuweisung in Afrika zu ermitteln, mit Fokus auf geographisch konzentrierte Häufungen von Typen und die kontaktinduzierte Interaktion von Sprachen sowohl innerhalb solcher Sprachbünde als auch an deren Peripherie. Die systematische Untersuchung der semantischen Genuszuweisung in Afrika aus verschiedenen Blickrichtungen zielt letztendlich auf eine verbesserte Typologie in dieser Domäne im globalen Maßstab.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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