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Günstiger im Ausland – Klimapolitik und Offshoring
Antragstellerin
Dr. Elisa Rottner
Fachliche Zuordnung
Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Statistik und Ökonometrie
Statistik und Ökonometrie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 577606424
In unserer globalisierten Welt ist Produktion zunehmend fragmentiert. Dies hat Auswirkungen auf den Klimawandel. Länder und Zwischenprodukte unterscheiden sich stark in ihrer Emissionsintensität. Wo Unternehmen welche Zwischenprodukte kaufen, wirkt sich daher auf nationale und globale Emissionen aus. Das Verständnis der Muster und Treiber der Beschaffungsstrategien von Unternehmen ist wichtig, um geeignete Dekarbonisierungsstrategien zu entwickeln. Klimapolitik könnte zunehmend zu einem Treiber für die Beschaffungsstrategien von Unternehmen werden. Einseitige Klimamaßnahmen könnten sich daher als weniger wirksam oder sogar unwirksam erweisen, indem sie Unternehmen dazu veranlassen, emissionsintensive Produktionsschritte ins Ausland zu verlagern, was zu einem Anstieg des CO2-Gehalts von Importen und sog. "carbon leakage" führt. Allerdings ist noch unklar, ob Unternehmen ihre Beschaffungsstrategien tatsächlich als Reaktion auf Klimapo ändern. Während theoretische Modelle zunehmendes Offshoring als Reaktion auf einseitige Klimapolitik vorhersagen, ist empirische Evidenz rar. Dies liegt an einem Mangel an Daten auf Unternehmensebene zu Offshoring und der geringen klimapolitischen Stringenz in der Vergangenheit. Ich analysiere in meinem Projekt drei Fragen: 1) Kann empirisch auf Unternehmensebene zunehmendes Offshoring von Zwischenprodukten als Reaktion auf eine zunehmend strengere Klimapolitik nachgewiesen werden? 2) Wie substituierbar sind Energie, inländische und ausländische Zwischenprodukte? 3) Welche Folgen werden künftige klimapolitische Maßnahmen haben? Zu diesem Zweck schätze ich zunächst anhand einer rigorosen empirischen Untersuchung, wie sich die Regulierung unter dem EU-Emissionshandelssystem (EU ETS) auf die Beschaffungsentscheidungen von Unternehmen auswirkt. Dabei stütze ich mich auf Differenz-in-Differenzen-Schätzung und auf Unternehmensdaten aus einer großen europäischen Volkswirtschaft (Frankreich). Diese Analyse identifiziert anhand quasi-experimenteller Methoden die Auswirkungen auf eine sehr spezifische Untergruppe von Unternehmen, die unter das EU ETS fallen. In einem zweiten Schritt analysiere ich die grundlegendere Substituierbarkeit zwischen Energie (und den damit verbundenen CO2-Emissionen) und Zwischenprodukten mithilfe struktureller Schätzung. Dazu leite ich eine schätzbare Produktionsfunktion aus einem formalen Beschaffungsmodell ab, das die komplexen Beschaffungsstrategien von Unternehmen strukturiert. Die Modellstruktur zusammen mit den geschätzten Parametern zur Substituierbarkeit zwischen Energie, inländischen und ausländischen Zwischenprodukten ermöglicht in einem dritten Schritt eine Analyse kontrafaktischer Szenarien, um die Folgen eines Energiepreisanstiegs oder steigender Importpreise aufgrund des CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) der EU für die französische Produktivität, Beschäftigung und Emissionen zu verstehen.
DFG-Verfahren
Stipendium
Internationaler Bezug
Großbritannien
Gastgeber
Professor Gregor Singer
