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Verzerrungen bei der Bewertung externer Ideen im Innovationsprozess
Antragstellerin
Professorin Dr. Christina Raasch
Fachliche Zuordnung
Management und Marketing
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 577766334
Die meisten Unternehmen greifen auf Ideen und Lösungen zurück, die außerhalb ihrer eigenen Organisation entwickelt wurden. Das kann in großem Ausmaß passieren, beispielsweise bei Fusionen und Übernahmen, oder in einem viel begrenzteren Umfang, beispielsweise durch die Einbeziehung der Ideen von Lieferanten, innovativen Nutzern oder Crowds. „Open Innovation” bezeichnet die Erkenntnis, dass Unternehmen internes und externes Wissen nutzen sollten, um schneller und besser zu innovieren. Die Auswahl und Umsetzung der besten neuen Ideen erhöht die Effizienz, Wettbewerbsfähigkeit und Resilienz von Unternehmen. Unbenommen der vielen Erfolge dieser Vorgehensweisen treten die erwarteten Vorteile externer Ideen nicht immer ein. Berichten zufolge erfüllen fast die Hälfte der Unternehmensübernahmen nicht die in sie gesetzten Erwartungen, und viele Open-Innovation-Programme bleiben hinter ihren Zielen zurück. Erste Studien deuten darauf hin, dass Entscheidungsträger externes Wissen und externe Ideen systematisch überbewerten. Eine solche Verzerrung kann dazu führen, dass Ressourcen für die Umsetzung mittelmäßiger Ideen aufgewendet werden – auf Kosten besserer. Bislang konzentriert sich die Forschung auf die Voreingenommenheit gegen externe Ideen, die als „Not-Invented-Here“-Syndrom (NIH) bezeichnet wird. Das NIH-Syndrom ist definiert als eine Verzerrung, bei der Bewerter eine negative Haltung gegenüber externen Ideen einnehmen und intern entwickelte Ideen irrational bevorzugen. Die Bevorzugung von externen Ideen wird hingegen bislang nur in vereinzelten Studien beschrieben. Dieses Forschungsprojekt schlägt das übergeordnete Konzept ursprungsbezogener Verzerrungen in der Ideenbewertung vor, das sowohl das bekannte NIH-Syndrom als auch dessen Gegenteil umfasst, das wir „Better-Found-Elsewhere“-Syndrom (BFE) nennen. Das BFE Syndrom ist ein wichtiges Thema, da unseren Branchenkontakten zufolge derartige Voreingenommenheiten unter Mitarbeitenden zu Defätismus („Unsere Ideen sind nie gut genug“, „Alle guten Ideen kommen aus dem Silicon Valley“), zu Abhängigkeiten und zu ungenutztem Potenzial führen. Dieses Forschungsvorhaben umfasst drei Projekte. In Projekt 1 verfolgen wir einen induktiven Ansatz und führen Interviews mit Entscheidungsträgern im Bereich Innovation, um zu untersuchen, wie ihre Einstellung gegenüber externen Ideen ihre Ideenbeurteilung beeinflusst. Mit Grounded Theory wollen wir die Ergebnisse in eine übergreifende Theorie einbetten, die "source-based biases” und ihre Kontingenzen erklärt. Das zweite Projekt leitet hieraus Hypothesen ab und testet sie mittels eines großen Felddatensatzes. Projekt 3 untersucht mittels Experimenten, wie sich die Bewertung externer Ideen in den verschiedenen Phasen des Innovationsprozesses verändert. Das Verständnis ursprungsbezogener Verzerrungen in der Bewertung innovativer Ideen ermöglicht es, Muster im Einsatz von nahem gegenüber entferntem Wissen zu erklären – ein derzeit hochaktuelles Forschungsgebiet.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
