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Die Prägung meritokratischer Vorstellungen durch Bildungserfahrungen und Interventionen: Eine Mixed-Methods-Studie ehemaliger Medizinbewerber*innen in Deutschland und Großbritannien (MixedMerit)

Antragstellerin Dr. Rebecca Wetter
Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 577780351
 
Obwohl individuelle Leistung zweifellos zum Bildungserfolg beiträgt, gibt es eindeutige Belege, dass dieser stark mit sozialer Herkunft zusammenhängt. Eine wachsende Besorgnis über diese anhaltende Ungleichheit bleibt jedoch aus, was mit weit verbreiteten meritokratischen Vorstellungen zusammenhängen könnte: Vorstellungen, dass Erfolg zunächst von harter Arbeit und Fähigkeiten abhängt. Empirische Studien zeigen, dass junge Erwachsene meritokratische Vorstellungen von Bildungseinrichtungen übernehmen. Welche spezifischen Erfahrungen diese Vorstellungen prägen und wie Vorstellungen beeinflusst werden können, bleibt jedoch unklar. Untersuchungen in Deutschland und Großbritannien deuten darauf hin, dass Elemente beider Bildungssysteme (frühe leistungsbasierte Selektion und private Bildungsinstitutionen) zu der Vorstellung beitragen, dass Erfolg von angeborenen Fähigkeiten abhängt. Daher möchte ich mich auf diese Länder konzentrieren, um deren Bildungssysteme und Vorstellungen zu vergleichen. Erstens werde ich untersuchen, welche Merkmale (Bildungserfolg, sozialer Hintergrund, Schulform und Diskriminierung) mit der Vorstellung zusammenhängen, dass Erfolg eher von harter Arbeit als von Fähigkeiten abhängt, oder mit der Vorstellung, dass dieser eher vom familiären Hintergrund als von harter Arbeit oder Fähigkeiten abhängt, und welche konkreten Bildungserfahrungen die Mechanismen hinter diesen Zusammenhängen sind; zweitens, ob kurze Interventionen (Informationen über Faktoren für Bildungserfolg oder Reflexion über eigene Vorteile und Benachteiligungen) Ungleichheitsvorstellungen verändern können; und drittens, wie Erfahrungen in verschiedenen Bildungssystemen in Deutschland und Großbritannien Ungleichheitsvorstellungen prägen. Ich plane einen Mixed-Methods-Ansatz, bei dem ich die bereits durchgeführte Analyse quantitativer Umfragedaten ehemaliger Medizinbewerber*innen in Deutschland durch ca. 25 qualitative Interviews mit Teilnehmer*innen dieser Umfrage ergänze, die anhand ihrer Ungleichheitsvorstellungen und anderer Merkmale ausgewählt werden, die in der quantitativen Analyse als Prädiktoren für Ungleichheitsvorstellungen identifiziert wurden. Darüber hinaus plane ich, ca. 15 ähnliche Interviews mit ehemaligen Medizinbewerber*innen in Großbritannien durchzuführen, die ich aus der UK Medical Cohort Study rekrutieren werde. Ehemaliger Medizinbewerber*innen sind gut geeignet, um die Prägung von Ungleichheitsvorstellungen zu untersuchen, da sie einen hochgradig kompetitiven Auswahlprozess mit einem starken meritokratischen Narrativ durchlaufen haben und sich in den Ergebnissen dieses Versuchs unterscheiden. Die Projektergebnisse könnten zum Verständnis der Entstehung meritokratischer Vorstellungen in Deutschland und Großbritannien beitragen und wichtige Erkenntnisse für Interventionen liefern, die ein ausgewogenes Verständnis von Erfolg fördern: ein erster Schritt für ein gerechteres Bildungssystem mit gleichen Chancen für alle.
DFG-Verfahren Stipendium
Internationaler Bezug Großbritannien
 
 

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