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Verschwindender Idealismus: McDowell über Hegel und Wittgenstein

Fachliche Zuordnung Geschichte der Philosophie
Theoretische Philosophie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 578721480
 
Meine vorrangigen Forschungsziele bestehen darin, die Tragfähigkeit von John McDowells vorgeschlagener „Domestizierung“ der philosophischen Tradition zu prüfen, mit besonderem Schwerpunkt auf den Implikationen von Hegels absolutem Idealismus. McDowell verortet Hegels Philosophie im Rahmen von Wittgensteins Quietismus und dessen therapeutischem Zugang zu philosophischen Problemen. Obwohl er kurz auf die Gemeinsamkeiten zwischen Hegel und Wittgenstein eingeht, entwickelt er dieses Thema nicht systematisch. Ziel meiner Arbeit ist es daher, diesen Aspekt auszuführen. Zu diesem Zweck werde ich Stanley Cavells Konzept des Ordinary einbeziehen, das meines Erachtens das Potenzial eines Vergleichs beider Denker erschließt. Auf dieser Grundlage soll meine Forschung drei Bereiche untersuchen: (a) die therapeutische Methode, (b) die Grenzen unseres Welt- und Erkenntnisverständnisses sowie (c) unser Selbstverständnis. (a) So wie Cavell alltägliche Worte „nach Hause“ zurückführen wollte, möchte McDowell unsere Begriffe von jenem Ort zurückholen, aus dem sie durch unseren philosophischen Impuls verdrängt wurden. Zu klären, wie dies nach McDowell möglich ist, bildet das erste Ziel meiner Arbeit. (b) Die zweite Forschungslinie befasst sich mit den Parallelen zwischen Hegel und Wittgenstein bei Robert Pippin und Terry Pinkard. Während Bernard Williams und Jonathan Lear Wittgenstein eine Form transzendentalen Idealismus zuschrieben, sehen Pippin und Pinkard in ihm Vertreter eines hegelschen absoluten Idealismus. McDowell betont jedoch, dass ihr konstruktivistischer Ansatz eher zu subjektivem Idealismus führt. Ich werde zeigen, dass sie den späten Wittgenstein missverstehen, wenn sie ihn durch die Brille Hegels deuten, und diese Lesart McDowells Verständnis gegenüberstellen. Theoretischen Rahmen bietet hier seine Reflexion über Fortführung und Unterbrechung von Tradition, gestützt auf Karl Marx und Hans-Georg Gadamer. (c) Schließlich soll meine Forschung Parallelen zwischen Hegels Begriff des Selbstbewusstseins und McDowells Überlegungen zum Selbstverständnis beleuchten. Unter Rückgriff auf Wittgenstein, G. E. M. Anscombe und Gareth Evans werde ich untersuchen, wie McDowells Deutung von Ziel und Struktur der Phänomenologie des Geistes helfen kann, hegelsche und wittgensteinsche Ansätze zum Selbstwissen zu vergleichen. Das Ergebnis des Projekts soll ein zur Veröffentlichung bestimmtes englischsprachiges Buch über die Philosophie John McDowells sein. Der Arbeitstitel lautet: Verschwindender Idealismus: McDowell über Hegel und Wittgenstein.
DFG-Verfahren WBP Stelle
 
 

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