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Der Kaiserstuhl-Löss an der Schnittstelle zwischen dem atlantischen und mediterranen Klimasystem: Chronologie, Klima, Umwelt und Reaktionen des terrestrischen Systems

Antragsteller Dr. Mathias Vinnepand
Fachliche Zuordnung Physische Geographie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 578862308
 
Löss-Paläosol-Sequenzen (LPS) sind weit verbreitete staubbasierte Klima- und Umweltarchive, die Klimasysteme über Kontinente hinweg verbinden. Durch den Vergleich solcher Archive, kann die Ausbreitung von Klimaschwankungen verstanden werden – einschließlich der Interaktion von Klima-Subsystemen und der Reaktion des terrestrischen Systems. In Europa sind bislang nur wenige Studien verfügbar, die sich mit solchen Prozessen an der Schnittstelle zwischen dem atlantischen und dem mediterranen Klimasystem befassen, und die vorhandenen gehen nicht weit über das letzte Interglazial hinaus. Ein besseres Verständnis der Wechselwirkungen zwischen den atlantischen und mediterranen Systemen, die entlang der Rhône-Rhein-Achse konvergieren, könnte erreicht werden, wenn LPS aus dem Oberrheingraben integriert werden. In diesem Zusammenhang eignen sich die mächtigen LPS des Kaiserstuhlgebiets im südlichsten Oberrheingraben am besten als Scharnier um LPS entlang des Rheins (atlantisch geprägtes Klima: marin-gemäßigt) mit denen entlang der Saône-Rhône-Achse (eher mediterraner Einfluss) zu verbinden. Glaziale Archive in der Region (d. h. in der Schweiz, im Schwarzwald und in den Vogesen), decken keine glazial-interglazial-Zyklen ab. Zudem reichen die lakustrischen Archive in dieser Region nicht weit über das letzte Interglazial hinaus. Dieser Umstand erfordert eindeutig eine detaillierte Untersuchung der LPS am Kaiserstuhl. Abgesehen von zwei Pilotstudien gibt es hier bislang jedoch nur wenige Daten für wichtige Schlüssel LPS wie dem 35 m mächtigen Riegel Profil. Dieses deckt höchstwahrscheinlich einen Großteil der letzten million Jahre ab (unter Berücksichtigung von stratigraphischen Beschreibungen, Thermolumineszenz-Altern und paläomagnetischen Daten (PMAG)). Allerdings entsprechen die angewandten Techniken entweder nicht mehr den modernen Standards oder sie sind nicht in einer Weise dokumentiert (PMAG), die eine belastbare Interpretation ermöglicht. Darüber hinaus ist der Standort nicht hochauflösend untersucht worden. Das vorgeschlagene Projekt zielt darauf ab chronologische Analysen (14C-Datierung von Regenwurmkalziten, Lumineszenz- sowie Elektronenspinresonanz (ESR)-Datierungen und PMAG) für die Riegel-LPS beizutragen. Darüber hinaus werden hochauflösende sedimentologische (Korngröße, Farbe), mineralogische, geochemische und magnetische Daten erfasst. Hierdurch können, die klimatischen Bedingungen während eines Großteils der letzten Millionen Jahre quantifiziert (stabile C- und OIsotopenzusammensetzung von Regenwurm-Kalziten) und entsprechende Umwelt-Reaktionen verstanden werden. Durch das Etablieren des bislang fehlenden Referenzprofils am Kaiserstuhl kann seine Funktion als Scharnier zu anderen LPS entlang der N-S-Achse Rhein und Rhône erforscht werden. Dies wird ein detailliertes Verständnis der Reaktionen des terrestrischen Systems an der Schnittstelle der atlantischen und mediterranen Klima-Subsysteme ermöglichen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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