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SHIP-CODES - Überwachte Kodierung von Todesursachen in den SHIP Kohorten

Fachliche Zuordnung Epidemiologie und Medizinische Biometrie/Statistik
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 579103854
 
Die rückgehende Bereitschaft der Bevölkerung, an wissenschaftlichen Studien teilzunehmen, beeinträchtigt die Generalisierbarkeit der Forschungsergebnisse deutlich. In der „Study of Health in Pomerania“ (SHIP), z.B., sind die Teilnahmequoten stark gesunken: von 68,8 % (1997-2001) in SHIP-START, auf 50,1% in SHIP-TREND (2008-2012) und 30% in SHIP-NEXT (seit 2021). Solche Rückgänge beeinflussen nachweislich die Studienergebnisse, da Teilnehmer der Studien eine höhere Gesundheitskompetenz zeigen, während nichtteilnehmende Personen eine geringere Bildung, niedrigere Einkommen und mehr gesundheitliche Probleme aufweisen. Nicht-Teilnehmer bevölkerungsbezogener Studien haben zudem eine höhere Mortalität; aktuelle Skandinavische Studien zeigten eine 2-2,5-fach erhöhtes Mortalitätsrisiko. Um diesen Bias zu adressieren, ist es erforderlich, die zugrunde liegenden Selektionsmechanismen zu identifizieren. Typischerweise werden Nicht-Teilnehmer mit kurzen Fragebögen befragt, jedoch bleiben die Rücklaufquoten sehr niedrig. Ein vielversprechender Ansatz zur Reduzierung des Non-Response-Bias nutzt Informationen aus Todesscheinen verstorbener Nicht-Teilnehmer, die Daten zu spezifischen Todesursachen und zugrundeliegenden Erkrankungen beinhalten. Für eine konsistente Nutzung dieser Daten ist eine standardisierte Kodierung der Informationen erforderlich. Die international genutzte Iris-Software, die den WHO-Richtlinien folgt, automatisiert die Kodierung von Todesscheinen und erreicht mit der Nutzung regulärer Ausdrücke eine Genauigkeit von >90%. Dieses Projekt wird zudem vom leitenden Entwickler der Deutschen Version der Iris-Software unterstützt (Destatis). Der technische Ansatz wird nun erstmals in die bevölkerungsbezogene Forschung in Deutschland integriert und für eine neuartige Nutzung der Daten von Nicht-Teilnehmenden einer Studie genutzt. Bisher untersagte die DSGVO Forschungsinstitutionen die Verarbeitung von Daten über Nicht-Teilnehmer einer Studie aufgrund fehlender Einwilligung. Seit Januar 2024 erkennt Mecklenburg-Vorpommern das öffentliche Interesse an diesen Daten an und erlaubt deren Nutzung für die Forschung. Die Ethikkommission der Universitätsmedizin Greifswald genehmigte das Protokoll. Die wissenschaftliche Ausrichtung des Projekts dient der Realisierung einer ursprünglichen Zielstellung von SHIP, der Analyse der erhöhten Mortalität in Mecklenburg-Vorpommern. Das Projekt optimiert bestehende Studien zur Sterblichkeit, indem es einen Fokus auf verschiedene Todesursachen legt und eine selektive Studienteilnahme berücksichtigt. Letzteres wird zu einer Anpassung der Gewichtungsprozeduren für die Teilnehmenden der SHIP-Studien führen, wodurch der Nonresponse-Bias in SHIP deutlich reduziert wird. Das Projekt wird moderne Methoden zur automatisierten Kodierung von Freitextinformationen aus Todesscheinen nutzen, um die Repräsentativität epidemiologischer Studien zu verbessern.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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