Detailseite
Mosaik-Evolution bei terrestrischen Säugetieren: Konvergenz, Disparität und ihre treibenden Faktoren im gesamten Skelett
Antragstellerin
Iris Menéndez González, Ph.D.
Fachliche Zuordnung
Paläontologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 579767752
Warum sind manche Kladen außergewöhnlich vielfältig, während andere morphologisch konservativ bleiben? Warum entwickeln bestimmte Linien wiederholt ähnliche Körperbaupläne, während andere selten zu denselben Morphologien konvergieren? Diese Fragen stehen im Zentrum der makroevolutionären Theorie und betreffen Evolvierbarkeit, Einschränkungen sowie Tempo und Modus phänotypischer Veränderungen. Unser Verständnis der evolutionären Prozesse, die morphologische Disparität und Konvergenz erzeugen, ist jedoch noch unvollständig, da viele Studien auf qualitativen Vergleichen, linearen Messungen, die die Formvariation nicht vollständig erfassen, oder auf einer engen taxonomischen und anatomischen Abdeckung beruhen, die sich häufig auf einzelne Strukturen wie den Schädel konzentrieren. Letztere Einschränkung ist besonders wichtig im Hinblick auf die Mosaikevolution, bei der verschiedene Strukturen innerhalb eines Organismus unterschiedlich evolvieren und dadurch je nach ökologischer Funktion und morphologischer Einschränkung unterschiedliche Grade von Konvergenz und Disparität über die Skelettelemente hinweg erzeugen. Säugetiere sind ein ideales System, um diese Fragen zu untersuchen, da sie eine bemerkenswerte morphologische Vielfalt mit klassischen Beispielen konvergenter Evolution kombinieren (z. B. ähnliche Ekomorphologien bei Beuteltieren und Plazentaliern). Bisher fehlt jedoch eine Untersuchung, die eine breite Stichprobe von Skelettelementen über eine weite phylogenetische Skala hinweg analysiert, was das Verständnis erschwert, wie das Säugetierskelett auf evolutionäre Kräfte reagiert hat. Daraus ergeben sich zentrale Forschungsfragen: F1: Wie beeinflussen ökologische Anpassungen (z. B. Ernährung oder Lokomotion) die konvergente Evolution in verschiedenen Teilen des Skeletts terrestrischer Säugetiere? F2: Wie variiert die morphologische Disparität zwischen unterschiedlichen Skelettregionen terrestrischer Säugetiere? F3: Welche evolutionären Mechanismen liegen der Beziehung zwischen Konvergenz und Disparität in verschiedenen Skelettelementen zugrunde? Ich werde 3D-geometrische Morphometrie anwenden, um eine breite Palette von Skelettelementen („pan-skelettaler Ansatz“) über eine große phylogenetische Stichprobe rezenter und fossiler terrestrischer Säugetiere zu analysieren und so die taxonomischen und anatomischen Einschränkungen früherer Studien zu überwinden. Durch den Einsatz modernster phylogenetisch-vergleichender Methoden werde ich testen, wie ökologische Faktoren (z. B. Ernährung, Fortbewegung) Konvergenzmuster in verschiedenen Skelettregionen strukturieren und wie Konvergenz und Disparität miteinander zusammenhängen. Die Ergebnisse werden entscheidende Fortschritte für das Verständnis liefern, wie Mosaikevolution zu einem reichen Geflecht aus Formen und Funktionen innerhalb der Säugetierlinien geführt hat.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
USA
Kooperationspartner
Professor Dr. Roger Benson
