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Belastete Stadt: Emotionale Geographien eines Lebens mit PFAS in urbanen Kleingärten

Antragstellerin Dr. Melike Peterson
Fachliche Zuordnung Humangeographie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 579947562
 
Das Projekt untersucht die emotionalen Geographien eines Lebens in/mit PFAS belasteten städtischen Kleingärten in Nähe des Bremer Flughafens und des Flusses Ochtum. Es fragt, wie betroffene Kleingärtner:innen ihr langfristiges Ausgesetzt-Sein an und Interagieren mit unsichtbaren und nicht wahrnehmbaren Giftstoffen wie PFAS emotional erleben und damit umzugehen versuchen. Kreative, künstlerische und partizipative Methoden nutzend, widmet sich das Projekt der Sicht- und Fühlbarmachung dieser Geographien. Die drei Hauptziele sind: 1. Emotionale und Chemische Geographien anhand von PFAS zusammenzudenken, um das soziale Leben langlebiger giftiger Chemikalien und die Mikropolitiken ihrer emotionalen und räumlichen Erfahrungen zu untersuchen. 2. Kreative Methoden zur Erforschung und Visualisierung der emotionalen Geographien eines Lebens in/mit PFAS belasteten städtischen Kleingärten zu entwickeln. Ausgehend von feministischen, verkörperten und relationalen Ansätzen in der Geographie, arbeitet das Projekt die Bedeutung von situativen Wissensformen und des Kartierens von alltäglichen Erfahrungen in chemisch verflochtenen Räumen heraus. 3. Forschungsergebnisse in Zusammenarbeit mit Teilnehmer:innen, Künstler:innen und Gemeinschaften zu koproduzieren, um öffentliches Engagement und ein Bewusstsein für das Leben in kontaminierten städtischen Umgebungen zu schaffen, sowie Formen des gemeinsamen Geschichtenerzählens, Kartierens und visuelle Praktiken zu teilen. Das Projekt betrachtet das Ausgesetzt-Sein an und Interagieren mit PFAS als eine Form des emotionalen Traumas, das nicht nur individuell erlebt wird, sondern auch Teil einer umfassenderen soziopolitischen und ökologischen Gewalt ist. Es untersucht, (1) welche Emotionen die Belastung mit PFAS hervorruft, wie diese ausgedrückt oder unterdrückt werden und wie sie die Alltagsräume jener prägen, und durch sie geprägt werden, die diese Räume nutzen und in ihnen leben (müssen). Methodisch nutzt das Projekt (2) feministische und kreative geographische Ansätze im Bereich des Kritischen Kartierens, um die Komplexität und Intimität eines Lebens mit langsam wirkenden, unsichtbaren Schadstoffen wie PFAS zu erfassen. Durch das Kartieren und (Nach-)Erzählen der emotionalen Geographien eines Lebens mit PFAS fördert das Projekt (3) Formen der Anerkennung und Widerständigkeit sowie einen langsamen, intimen Aktivismus, indem es unsichtbare chemische Belastungen und ihre Schäden sichtbarer macht und den Betroffenen Handlungsfähigkeit ermöglicht. Damit reagiert das Projekt auch auf Forderungen nach engagierter und kollaborativer Forschung, die lokale Wissensformen wertschätzt und diese durch affektive, kreative und partizipative Methoden mitgestaltet. So nimmt das Projekt durch die Zusammenarbeit mit dem Bremer Künstlerinnenkollektiv D.O.C.H. den Bedarf nach kreativen Antworten auf die komplexen sozio-chemischen Herausforderungen von PFAS ernst.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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