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Bestattungskulturen und Nekropolen in der Negev-Wüste von der Frührömischen bis zur Frühislamischen Zeit (ca. 1. Jh. v. Chr. – 9/10. Jh. n. Chr.)
Antragsteller
Noe Michael, Ph.D.
Fachliche Zuordnung
Klassische, Provinzialrömische, Christliche und Islamische Archäologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 580340046
Das geplante Forschungsprojekt widmet sich den Bestattungskulturen und Nekropolen in der Negev-Wüste im Süden Israels zwischen der frührömischen und der frühislamischen Zeit (ca. 1. Jh. v. Chr. – 9./10. Jh. n. Chr.). Die Region ist archäologisch von besonderem Interesse, da sie an einer Schnittstelle bedeutender Kulturräume lag und von einer bemerkenswerten Vielfalt an Bevölkerungsgruppen und Religionen geprägt war: Pagane, Juden, Christen und Muslime lebten hier teilweise gleichzeitig nebeneinander. Ihre sozialen, religiösen und kulturellen Praktiken spiegeln sich in den Bestattungsformen wider, die wertvolle Einblicke in Glaubensvorstellungen, Identitätskonstruktionen und gesellschaftliche Strukturen ermöglichen. Bislang existieren jedoch nur wenige umfassende wissenschaftliche Analysen der Nekropolen des Negev. Viele Grabungen wurden im Rahmen von Rettungsmaßnahmen durchgeführt und nur in Form kurzer Vorberichte veröffentlicht. Besonders die große Nekropole von Tel Malhata mit über 500 Gräbern, die sich über nahezu ein Jahrtausend erstrecken und pagane, christliche sowie muslimische Bestattungen umfassen, ist bislang nicht ausgewertet. Sie stellt eine einmalige Quelle dar, um den Wandel von Bestattungsritualen und religiösen Traditionen im Verlauf tiefgreifender politischer und gesellschaftlicher Umbrüche – vom Römischen Reich über Byzanz bis zur islamischen Herrschaft – zu untersuchen. Das Projekt verfolgt daher vier zentrale Ziele: Erstens die vollständige wissenschaftliche Aufarbeitung der Nekropole von Tel Malhata und ihrer Grabarchitektur, Funde und menschlichen Überreste. Zweitens den Vergleich dieser Ergebnisse mit anderen Nekropolen der Region, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Bestattungssitten herauszuarbeiten. Drittens die systematische Analyse des kulturellen und religiösen Wandels in der Negev-Wüste über mehrere Jahrhunderte hinweg, insbesondere im Hinblick auf die Transformationen an der Schwelle zur islamischen Zeit. Viertens die Erstellung einer umfassenden Monographie, die die Bestattungskultur dieser Region erstmals in ihrer ganzen zeitlichen und kulturellen Breite darstellt. Über den regionalen Rahmen hinaus leistet das Projekt einen Beitrag zum Verständnis kultureller Dynamiken in Grenz- und Wüstenregionen. Die Negev-Wüste eignet sich aufgrund ihrer Lage im Schnittpunkt verschiedener Einflusssphären besonders gut, um Fragen nach Kontinuität und Wandel von Traditionen, nach der Begegnung unterschiedlicher Religionen und nach dem Umgang mit Tod und Erinnerung zu untersuchen. Das Projekt liefert nicht nur eine dringend benötigte Grundlagenpublikation zu den Bestattungskulturen der Negev-Wüste, sondern trägt auch maßgeblich zum Verständnis des kulturellen und religiösen Wandels im östlichen Mittelmeerraum während der Spätantike und des frühen Mittelalters bei.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
