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Das Unsichtbare sichtbar machen: interdisziplinäre Perspektiven auf Spiking – die heimliche nicht-einvernehmliche Verabreichung psychoaktiver Substanzen

Antragstellerin Dr. Antonia Bendau
Fachliche Zuordnung Persönlichkeitspsychologie, Klinische und Medizinische Psychologie, Methoden
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 581045206
 
Der Begriff „Spiking“ bezeichnet die Verabreichung psychoaktiver Substanzen ohne Wissen und Zustimmung der Zielperson, etwa durch die heimliche Beimischung illegaler Drogen, Alkohol oder verschreibungspflichtiger Medikamente in Getränke oder über andere Verabreichungswege. Während das Themenfeld Spiking große gesellschaftliche Aufmerksamkeit erfährt, ist es wissenschaftlich bislang kaum untersucht. Spiking stellt ein hochgradig komplexes, vielschichtiges und in dieser Form einzigartiges Phänomen dar, das zahlreiche Herausforderungen sowie ein großes Erkenntnispotenzial für Grundlagen- und Anwendungsforschung birgt. So kann Spiking mit unterschiedlichsten Substanzen, Kontexten, Symptomen und Motiven verbunden sein. Es fehlt an standardisierten Abläufen im Umgang damit und die empirische Erfassung wird zusätzlich dadurch erschwert, dass sich viele Betroffene nicht in medizinische oder polizeiliche Versorgungsstrukturen begeben. Bei toxikologischen Falluntersuchungen lässt sich des Weiteren nur in einem Bruchteil tatsächlich eine unwissentlich konsumierte Substanz feststellen, weshalb es auch Mechanismen hinter nicht toxikologisch begründeten Verdachtsfällen zu berücksichtigen gilt. Zudem sind auch Kommunikationsdynamiken in diesem Kontext sowie kurz- und langfristige psychische Folgen von Spiking bislang gänzlich unbeleuchtet. Der ohnehin spärliche Forschungsstand wird stark dadurch eingeschränkt, dass die bisherigen Erkenntnisse fragmentiert über verschiedene Disziplinen verstreut sind. Entsprechend ist die interdisziplinäre Integration verschiedener Perspektiven erforderlich, um Spiking und die damit verbundenen Prozesse zu verstehen. Mit dieser Zielstellung vereint das geplante wissenschaftliche Netzwerk alle zentralen Forschenden zum Themenfeld Spiking in Deutschland und balanciert dabei unterschiedliche Karrierestufen und Disziplinen. Die fachliche Expertise innerhalb des Netzwerks umfasst Klinische, Sozial- und Rechtspsychologie, Psychiatrie, Notfall- und Rechtsmedizin, Public Health, Soziologie, Toxikologie, Kriminologie, Rechtswissenschaft, Medien- und Kommunikationswissenschaft, Management und Genderforschung. Über einen Zeitraum von drei Jahren sind sechs zweitägige Netzwerktreffen vorgesehen. Kernziele sind die theoretische Integration verschiedener Perspektiven, die Entwicklung methodischer Leitlinien und Forschungstools sowie der Aufbau geteilter Infrastrukturen und Datenressourcen. Darüber hinaus sollen gemeinsame Drittmittelanträge und Datenerhebungen, wissenschaftliche Publikationen sowie Konferenzbeiträge realisiert werden. Ergänzend sind Positionspapiere und Konsensstatements, internationale Vernetzung, translationaler Austausch und Wissenstransfer sowie Mentoring für Nachwuchsforschende geplant. Übergeordnetes Ziel ist es, ein differenziertes fundiertes Verständnis von Spiking zu entwickeln und die transdisziplinäre wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Themenfeld in Deutschland sowie auch international zu etablieren.
DFG-Verfahren Wissenschaftliche Netzwerke
Mitverantwortlich(e) Dr. Twyla Michnevich
 
 

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