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Neue Perspektiven auf landwirtschaftliche Identitäten und Agrarumweltmaßnahmen (New-ID)
Antragstellerinnen / Antragsteller
Professorin Dr. Ann-Kathrin Koessler; Dr. Adrian Rothers
Fachliche Zuordnung
Agrarökonomie, Agrarpolitik, Agrarsoziologie
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 581203999
Die Landwirtschaft kann eine zentrale Rolle bei der Überwindung von Biodiversitätskrise und Umweltdegradation spielen. Agrarumweltmaßnahmen (AUM)–z.B. reduzierter Düngemitteleinsatz, Heckenpflege oder konservierende Bodenbearbeitung–sind dazu von entscheidender Bedeutung. Trotz politischen Förderung bleibt ihre Umsetzung und Wirkung jedoch bislang begrenzt. Die Agrarsozialwissenschaften ziehen vielfach soziale und pstychologische Faktoren heran, um agrar-umweltbezogenes Entscheidungsverhalten zu erklären. Unter diesen Faktoren erfahren die Identitäten der Landwirt*innen zunehmend mehr Aufmerksamkeit. Die Literatur ist jedoch geprägt durch konzeptuelle Inkohärenz und geringe Erklärungstiefe: Es bleibt unklar, welche Identitäten Landwirt*innen haben, wie sie definiert und gemessen werden können, wie sie entstehen und wie sie Entscheidungsverhalten konkret beeinflussen. So bleibt erhebliches Potenzial ungenutzt, eine stärkere Umsetzung von AUM über die Identitätsebene zu fördern. Unser Projekt zielt auf ein systematisches und vertieftes Verständnis des Zusammenhangs von Identität und AUM. Wir triangulieren diesen Zusammenhang aus verschiedenen Perspektiven und übersetzen das Wissen anschließend in identitätssensitive Politik- und Interventionsstrategien. Zunächst erfassen wir den Bedeutungsraum landwirtschaftlicher Identitäten, indem wir wissenschaftliche und von Landwirt*innen selbst formulierte Beschreibungen zentraler Identitätsaspekte einbeziehen. Auf dieser Grundlage entwickeln und validieren wir einen Fragebogen zu landwirtschaftlichen Identitäten. Dieser wird eingesetzt, um eine umfassende Übersicht über landwirtschaftliche Identitäten in Deutschland zu erlangen – die Verbreitung unterschiedlicher Identitätstypen, ihre räumlich-sozioökonomischen Kontextbedingungen sowie den Zusammenhang mit der Umsetzung von AUM. Diesen standardisierten Ansatz ergänzen wir um eine narrative, individuumszentrierte Perspektive, die Identitäten als Geschichten versteht, die Menschen über sich erzählen, und die ihr Denken und Verhalten prägen. Anhand von Fallstudien analysieren wir, wie Landwirt*innen ihre Identitäten narrativ konstruieren und wie diese als Bezugsrahmen für ihre Sichtweisen und Entscheidungen zu AUM fungieren. Anschließend verknüpfen wir beide Ansätze, indem wir narrative Identitätsdaten in größerem Umfang über eine Mixed-Methods-Befragung erheben und psychologische Eigenschaften dieser Narrative quantifizieren. Diese Indikatoren ermöglichen es, die psychologische Situation verschiedener Identitätstypen zu erfassen und zu erklären, wie Identitäten die AUM-Bereitschaft von Landwirt*innen prägen. Abschließend entwickeln und testen wir anwendungsorientierte, empirisch fundierte identitätssensitive Politik- und Interventionsstrategien. Durch die Verbindung psychologischer Betrachtungstiefe mit der Ableitung praxisrelevanter Handlungsstrategien bietet das Projekt einen neuartigen Ansatz zur Förderung nachhaltiger Veränderungen in der Landwirtschaft.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
