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Von Elias Auerbach bis Hulda Zlocisti – Migrations- und Professionalisierungswege deutschsprachiger Zionisten und Zionistinnen im jüdischen Palästina vor 1933
Antragstellerin
Dr. Ines Sonder
Fachliche Zuordnung
Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 581474584
Etwa 3.000 deutschsprachige Juden und Jüdinnen lebten vor 1933 in Palästina. Anders als die ca. 60.000 jüdischen Emigranten und Emigrantinnen aus Deutschland und dem deutschen Sprachraum, die nach Hitlers Machtübernahme bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkriegs mit der Fünften Alija als Flüchtlinge ins Land kamen, waren sie aus zionistischer Überzeugung eingewandert. Ein kleiner Teil war bereits vor dem Ersten Weltkrieg in das damals osmanische Palästina gekommen, der größere Teil zu Beginn der 1920er Jahre, mit der Dritten Alija, in das nunmehr britische Mandatsgebiet Palästina. Sie waren Vorläufer und Wegbereiterinnen auf den verschiedensten Gebieten der Entwicklung der jüdischen Heimstätte – in der Architektur und Stadtplanung, im Ingenieurwesen, im medizinischen Bereich, der Pädagogik und Sozialarbeit, im Rechtswesen, im Kunst- und Kulturbereich sowie auf akademischem Gebiet als erste Wissenschaftler der Hebräischen Universität. „Unter ihnen befanden sich viele, deren Tätigkeit dauernde Spuren im wirtschaftlichen und geistigen Leben des Landes hinterlassen hat“ (Richard Lichtheim). Ihre Lebenswege als zionistische Pioniere aus Deutschland bzw. dem deutschsprachigen Raum sowie ihr Beitrag bei der Grundlegung lebensfähiger Strukturen für ein jüdisches Gemeinwesen in Palästina wurden bislang nur durch wenige veröffentlichte Selbstzeugnisse und Monographien dokumentiert, jedoch kaum durch wissenschaftliche Studien fundiert – wiederum im deutlichen Gegensatz zur Exil-Forschung der deutsch-jüdischen Emigration nach Palästina in den 1930er Jahren. Vor allem ihre aktive Hilfe durch die Schaffung der Hitachduth Olej Germania (HOG), der 1932 gegründeten Selbsthilfeorganisation der Einwanderer aus Deutschland, mit der sie, die Alteingesessenen, die Eingliederung ihrer früheren Landsleute unterstützten, war als kollektive Leistung (auch international) beispiellos – in der Forschung fand sie jedoch kaum Beachtung, obwohl sie das Fundament einer erfolgreichen Integration von tausenden von Flüchtlingen darstellt. Ziel des Forschungsprojektes ist es, erstmals die Lebenswege der deutschsprachigen Juden und Jüdinnen, die aus zionistischer Überzeugung vor 1933 nach Palästina auswanderten, zu dokumentieren und ihr intellektuelles, kulturelles und bauliches Erbe sichtbar zu machen: allgemein durch eine bio-bibliographische Online-Datenbank dieser Einwanderergruppe und speziell in Form eines Gruppenporträts von zehn deutschsprachigen Zionistinnen in Palästina als Monographie: Lotte Cohn, Käthe Dan, Gurit Kadman, Gerda Luft, Grete Obernik, Escha Scholem, Helene Hanna Thon, Anna Ticho, Lydia Treidel und Hulda Zlocisti. Das Forschungsprojekt ist ein wichtiger Beitrag zum deutschsprachigen Zionismus und seiner Geschlechtergeschichte, insbesondere zur deutsch-jüdischen Migrationsforschung nach Palästina vor 1933, wodurch ein Forschungsdesiderat geschlossen wird, und zum deutsch-jüdischen Kulturerbe in der Geschichte Israels im 20. Jahrhundert.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
