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Anthologie zur neulateinischen und humanistisch-griechischen Dichtung im Ostseeraum (1500-1850)

Fachliche Zuordnung Griechische und Lateinische Philologie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 581867817
 
Ziel der Anthologie ist es, den kulturell eng vernetzten Raum rings um die Ostsee erstmals insgesamt als integralen Teil der neulateinischen Literatur ins Blickfeld zu rücken. Denn obwohl durch Universitäts- und Schulgründungen seit dem 15. Jahrhundert und zumal durch die Einführung der Reformation Teil der durch den Humanismus geprägten europäischen Latinität, fehlt er in verbreiteten neulateinischen Textsammlungen weitgehend. Die Anthologie fügt sich damit in die aktuelle Forschungstendenz einer Komplettierung der ‚europäischen Landkarte des Neulatein‘ ein, wobei ein besonderes Novum der Einbezug der in altgriechischer Sprache verfassten Dichtung ist, die weitgehend terra incognita ist. Um die internationale und interdisziplinäre Rezipierbarkeit sicherzustellen, ist die Anthologie zweisprachig mit Englisch als moderner Sprache angelegt, und es ist Sorge getragen, dass erklärende Anmerkungen unter der Prosaübersetzung das für das Verständnis notwendige Sachwissen bereitstellen. Damit in Verbindung steht ein weiteres Ziel. Obgleich die neulateinische Literatur ein gesamteuropäisches Phänomen ist, wird sie in der Regel – ausgenommen den modellbildenden italienischen Humanismus – im jeweiligen nationalen Rahmen behandelt mit der Folge, dass Kenntnis und Forschung stark national fragmentiert sind; gerade für die nordosteuropäische Latinität gilt dies in besonderem Maße. Durch die Ausrichtung auf eine Großregion – heute neun Anrainerstaaten umfassend, in früherer Zeit noch mehr – sucht die Anthologie gegenzusteuern und den wechselseitigen Austausch zu stimulieren, der ohnehin angesichts der verwobenen Geschichte des Raums sowie der hohen Mobilität in der frühen Neuzeit geboten ist. Darüber hinaus soll mit einer längeren Einleitung zu Beginn, zu der komplementär die Einführungen zu den 116 Autorenkapiteln treten, eine Probe einer transnationalen Literaturgeschichte geboten werden, wie sie der Struktur des Neulatein als lingua franca der Frühen Neuzeit entspricht, bislang aufgrund der enormen Textfülle und des unzureichenden Standes der Aufarbeitung jedoch nicht existiert. In dieser Perspektive ist die Anthologie ein Modellprojekt. Nicht zuletzt bietet die Anthologie vielfach Neuland. Denn viele der hier gebotenen Texte sind bislang weder modern ediert noch übersetzt, geschweige denn kommentiert worden. Durch Kontextualisierung und Sacherklärung, hinter der oft aufwendige Erschließungsarbeiten stehen, sucht sie eine Basis zu schaffen, auf die künftige Forschung aufbauen kann. Denn zu den Zielen gehört schließlich auch, dass die gebotene Auswahl die Weiterarbeit an den einzelnen Autoren, von denen manche zu den Spitzenleistungen der lateinischen Dichtung ihrer Zeit gehören, stimuliert, sei es dass die vollständige Erschließung eines Autors oder die kommentierte Edition eines Werks oder einer Werkgruppe dadurch angeregt wird.
DFG-Verfahren Publikationsbeihilfen
 
 

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