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Metallionen-assoziierte Entzündungsreaktionen bei Patienten mit dentalen Implantaten

Antragsteller Dr. Nils Werner
Fachliche Zuordnung Zahnheilkunde; Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 582147792
 
Dentale Implantate aus Titan sind seit über 50 Jahren eine bewährte Behandlungsmethode zum Ersatz verlorener Zähne. Obwohl sie in den meisten Fällen erfolgreich sind, entwickeln etwa 20% der Patientinnen und Patienten eine Periimplantitis. Die Periimplantitis ist eine entzündliche Erkrankung des Gewebes um das Implantat herum, die ultimativ zum Implantatverlust führen kann. Die genauen Ursachen dieser Erkrankung sind noch nicht vollständig verstanden. Während bakterielle Beläge (Biofilm) als Hauptursache gelten, gibt es auch Hinweise darauf, dass freigesetzte Titanpartikel und -ionen eine Rolle spielen könnten. Diese können durch mechanischen Abrieb und chemische Korrosion im Mund entstehen und sowohl lokale als auch systemische Entzündungsreaktionen auslösen. Bislang fehlen systematische Untersuchungen, die gleichzeitig die Titankonzentrationen im Körper (Blut) und im Mund (Speichel) messen und deren Zusammenhang mit Entzündungsmarkern untersuchen. Das vorliegende Forschungsvorhaben untersucht Blut- und Speichelproben einer Subgruppe der 1.570 Patientinnen und Patienten aus der King's College London Oral Biobank. Ziel ist es, herauszufinden, ob die Titanfreisetzung mit einer lokalen und systemischen Entzündungsreaktion assoziiert ist. Dabei werden vier Gruppen verglichen: Personen mit Periimplantitis, mit periimplantärer Mukositis (leichtere Entzündungsform), mit gesunden Implantaten und ohne Implantate. In einem 7-monatigen Forschungsaufenthalt am King's College London werden die Proben analysiert. Mittels hochpräziser Massenspektrometrie werden Titankonzentrationen gemessen, während Entzündungsmarker (Interleukin-6, Interleukin-8, Tumornekrosefaktor-α) und oxidativer Stress durch etablierte immunologische Methoden bestimmt werden. Statistische Analysen sollen aufklären, ob erhöhte Titanwerte mit stärkeren Entzündungsreaktionen einhergehen und ob sich daraus Risikomodelle zur Früherkennung der Periimplantitis entwickeln lassen. Das Projekt soll klären, ob eine Titanfreisetzung tatsächlich zur Entstehung und zum Fortschreiten der Periimplantitis beiträgt und ob sich lokale und systemische Entzündungsprozesse gegenseitig beeinflussen. Die Ergebnisse könnten Hinweise für die Verbesserung von Implantatmaterialien, die Optimierung von Behandlungsstrategien und die individuelle Risikobewertung von Patientinnen und Patienten liefern. Zudem könnte ein besseres Verständnis dieser Mechanismen dazu beitragen, die Lebensdauer von Implantaten zu verlängern und damit auch ökologische Ressourcen durch weniger notwendige Revisionseingriffe zu schonen.
DFG-Verfahren Stipendium
Internationaler Bezug Großbritannien
 
 

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