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Marktdisziplin in der europäischen Versicherungswirtschaft

Antragsteller Dr. Moritz Hanika
Fachliche Zuordnung Accounting und Finance
Förderung Förderung seit 2026
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 583700507
 
Die Europäische Versicherungsaufsicht setzt im internationalen Vergleich besonders stark auf Transparenz als Instrument der Finanzstabilität. Seit der Einführung von Solvency II im Jahr 2016 sind Versicherer verpflichtet, jährlich einen Bericht über ihre Solvenz- und Finanzlage zu veröffentlichen. Ziel dieser Regulierung ist es, die Transparenz gegenüber Investoren und Versicherungsnehmern zu erhöhen und dadurch Marktdisziplin zu stärken. Unter Marktdisziplin wird verstanden, dass Marktteilnehmer auf offengelegte Risikoinformationen reagieren und so ein risikoärmeres Verhalten von Versicherungsunternehmen begünstigen. Bisherige Forschungsarbeiten zeigen, dass Investoren und Kunden auf veröffentlichte Solvenzquoten reagieren und ihr Investitions- bzw. Kaufverhalten anpassen. Diese Studien beschränkten sich jedoch meist auf einzelne Länder, Versicherungssparten oder kurze Zeiträume. Zudem bleibt unklar, ob die beobachteten Marktreaktionen tatsächlich einen disziplinierenden Einfluss auf das Risikoverhalten der Versichungsunternehmen ausüben und damit die zusätzlichen Kosten der Berichtserstattung rechtfertigen. Eine umfassende empirische Analyse der Marktdisziplin unter Solvency II fehlt bislang. Das geplante Forschungsprojekt schließt diese Lücke. Auf Basis eines EU-weiten Paneldatensatzes (2016-2024) wird untersucht, wie Marktteilnehmer und Versicherer auf Veränderungen der Solvenzquoten reagieren. Es wird analysiert, ob ein Rückgang der Solvenzquote ein geringeres Prämienwachstum und negative Aktienkursreaktionen auslöst. Zudem wird geprüft, ob Versicherer auf sinkende Solvenzquoten mit Kapitalerhöhungen, Rückversicherung oder einer Reduktion des Investmentrisikos reagieren. Im Fokus steht insbesondere, in welchem Ausmaß die Maßnahmen der Versicherungsunternehmen durch das Verhalten von Investoren und Kunden verstärkt werden. Die Ergebnisse liefern empirische Evidenz zur Wirksamkeit von Transparenz als Stabilitätsinstrument und tragen zu einem besseren Verständnis der Marktdisziplin bei. Auf dieser Grundlage können Entscheidungsträger und Aufsichtsbehörden die bestehenden Vorgaben zur Risikoberichterstattung gezielt weiterentwickeln, um die Finanzstabilität sowie internationale Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Versicherungswirtschaft dauerhaft zu stärken.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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