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Medieninhalte und Persistenz im Lebensverlauf: Langfristige Auswirkungen des frühen Fernsehens auf Bildung, Berufswahl und nationale Identität
Antragsteller
Mathias Bühler, Ph.D.
Fachliche Zuordnung
Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Förderung
Förderung seit 2026
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 585901444
Dieses Projekt untersucht, wie die Inhalte des frühen Fernsehens – und nicht nur der reine Zugang zum Medium – langfristige soziale und wirtschaftliche Ergebnisse beeinflussen. Obwohl das Fernsehen eine dominante Quelle der Sozialisation darstellt, vernachlässigt die bestehende Forschung häufig die Rolle spezifischer Programminhalte zugunsten des allgemeinen Medienzugangs. Wir schließen diese Lücke, indem wir analysieren, wie die Konfrontation mit unterschiedlichen medialen Narrativen während der Kindheit Individuen über ihren gesamten Lebensweg hinweg prägt. Die Untersuchung nutzt einen einzigartigen historischen Kontext: die kanadische „One-Station Policy“ der 1950er Jahre. Unter dieser Regelung waren Haushalte in verschiedenen Regionen auf ein einziges Sendesignal beschränkt – entweder von der öffentlich-rechtlichen Canadian Broadcasting Corporation (CBC) oder von einem privaten kommerziellen Sender. Diese Sendeanstalten boten grundlegend unterschiedliche Inhalte an: Die CBC konzentrierte sich auf nationale Identität, kulturellen Zusammenhalt und öffentliche Angelegenheiten, während private Sender lokale Unterhaltung und Gemeinschaftsinteressen in den Vordergrund stellten. Diese Ausgangslage fungiert als „natürliches Experiment“, um die Auswirkungen von Medieninhalten von den Effekten des reinen Medienzugangs zu isolieren. Das Projekt verfolgt zwei zentrale Ziele: 1. Bildungs- und Berufsverläufe: Wir analysieren, ob die Rezeption von nationalen gegenüber lokalen Programmen die Humankapitalbildung, berufliche Ambitionen und die Allokation am Arbeitsmarkt beeinflusst hat. 2. Sozialer Zusammenhalt und bürgerliche Identität: Wir bewerten den Einfluss dieser Narrative auf das soziale Vertrauen, die nationale Identität und die Einstellung gegenüber staatlichen Institutionen. Insbesondere prüfen wir, ob das Mandat des öffentlich-rechtlichen Rundfunks zur Förderung eines „kanadischen Bewusstseins“ dauerhafte Auswirkungen auf das Sozialkapital hatte. Unsere Methodik kombiniert hochauflösende Geodaten zur historischen Signalstärke mit neu digitalisierten Archiven von Sendeplänen aus den Jahren 1952 bis 1975. Durch die Verknüpfung dieser Daten mit zugangsbeschränkten Volkszählungs-Mikrodaten und Umfragedaten verfolgen wir die Ergebnisse über verschiedene Geburtskohorten und Standorte hinweg. Letztlich liefert dieses Projekt eine umfassende Darstellung darüber, wie alltägliche Mediennarrative sowohl das wirtschaftliche als auch das bürgerliche Leben in einer entwickelten Demokratie prägen. Es geht über die traditionelle Medienforschung hinaus, indem es die spezifischen Inhaltsarten und Genres identifiziert – wie Nachrichten, Kulturprogramme oder lokale Unterhaltungsformate –, die langfristige Unterschiede in gesellschaftlichen Entwicklungen erklären.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
Internationaler Bezug
Kanada
Kooperationspartner
Professor Jeffrey Chan, Ph.D.; Professor Andrew Dickens, Ph.D.
