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Ex oriente. Dinge aus dem Osten und ihre Inszenierung in Werken mittelalterlicher Schatzkunst
Antragstellerin
Privatdozentin Dr. Gia Toussaint
Fachliche Zuordnung
Kunstgeschichte
Förderung
Förderung von 2008 bis 2011
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 82818754
Ausgangspunkt des Projekts ist die Prämisse, dass im Hochmittelalter das Interesse an Dingen aus der Ferne stark zunimmt. Zwei Massenbewegungen lösen diese Konjunktur aus: die am Ende des 11. Jahrhunderts einsetzenden Kreuzzüge und die durch die Annexion des Heiligen Landes wieder auflebende Wallfahrt. Menschen aus dem Okzident erobern sich in der Ferne eine neue Dingwelt, bestehend aus Reliquien, Memorabilien und Exotica. Im Rahmen eines vorläufigen typologischen Verfahrens lassen sich die im Christentum fest verankerten Reliquien als vertraute Dinge von Exotica unterscheiden, die kulturell und religiös als fremd wahrgenommen wurden. Memorabilien sind Souvenirs, deren Funktion hauptsächlich darin bestand, an eine exzeptionelle Reise zu erinnern. Insbesondere Exotica bedurften häufig einer neu zu entwickelnden künstlerischen Integration, die in bislang unbekannte Präsentationsformen einmündete. Mittels ausgewählter Kategorien – Sensualität, Transkulturalität sowie Kontextualität und Medialität – soll diese dreifach differenzierte Dingwelt erschlossen und charakterisiert werden. Die aus der Ferne stammenden Dinge unterlagen Transformationsprozessen, deren Spektrum von Assimilation und Adaption bis zur Destruktion gespannt war. Es wird zu untersuchen sein, wie sich das von Spannung geprägte Verhältnis zwischen Fremdem und Eigenem ändert, denn fast immer wurde das Fremde seiner ursprünglichen Funktion beraubt und in neue Sinnzusammenhänge eingebettet. Da islamische Objekte christlich adaptiert wurden, stellt sich Frage, durch welche Mittel diese Transformation künstlerisch bewältigt und wie die Produkte dieses Prozesses vom Betrachter oder Benutzer rezipiert wurden.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
