Interdisziplinäres Forschungsprojekt zu hydraulischen Mörteln auf dem Palatin, Rom
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Studien, die sich ausschließlich antikem hydraulischem Mörtel widmen, sind bisher selten. Für den Palatin liegen mit dieser Untersuchung außergewöhnlich viele Ergebnisse vor, die für zukünftige Untersuchungen wichtige Referenzobjekte bilden. In mehreren Analyseverfahren wurde versucht, Informationen zu Technik und Herstellungsweise der Mörtel zu erhalten. Zu den wichtigsten weiterführenden Ergebnissen gehören die Tatsachen, dass es sich bei dem Ziegelsplitt um sehr niedrig gebrannten Ton handelt und dass die Sande offenbar nicht gesiebt wurden. Anscheinend suchte man den Ziegelsplitt bewusst aus und entnahm ihn nicht dem nächstgelegenen Schutthaufen. Gemeinsam mit den Lapilli, die nur in geringem Maß aufgearbeitet wurden, bedingten sie die Hydraulizität der Beckenmörtel. Es wird allerdings noch zu zeigen sein, ob es sich dabei um Einzelfälle oder um weit verbreitete Techniken handelt. Anders als aufgrund früherer Probenentnahmen an Wasseranlagen auf dem Palatin erwartet zeigen die hydraulischen Mörtel sehr einheitliche Zusammensetzungen und wurden über Jahrhunderte kaum modifiziert. Daher bieten diese keine über die archäologischen Methoden hinausgehenden Datierungshilfen. Andererseits können die extrem stabilen Handwerkstraditionen auf zwei bisher nicht bekannte Erkenntnisse hinweisen: In der mittleren Kaiserzeit hat sich ein gewisser technologischer Standard herausbildet, der weit verbreitet war, oder die Palatinmörtel sind das Werk einer bestimmten, möglicherweise kaiserlichen Werkstatt, die Bautechniken über mehrere Generationen tradierte. Ein Vergleich mit Proben von anderen stadtrömischen Bauten, idealerweise ebenfalls von Wasseranlagen, könnte dies klären. Sollte sich herausstellen, dass der Palatin als Zentrum der kaiserlichen Macht eine Sonderrolle im römischen Bauwesen spielte und die angewandten Technologien aufgrund der Beschäftigung derselben kaiserlichen Werkstatt über Generationen stabil blieb, könnte dies auch bedeuten, dass in den Provinzen die technischen Variationen breiter und damit auch die Datierungsmöglichkeiten anhand von Mörtelanalysen größer sind.
