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Stoff für die Geschichte: Der nationale Antiquarianismus und seine Narrative in Frankreich im 18. und frühen 19. Jahrhundert.
Antragstellerin
Dr. Lisa Regazzoni
Fachliche Zuordnung
Neuere und Neueste Geschichte (einschl. Europäische Geschichte der Neuzeit und Außereuropäische Geschichte)
Förderung
Förderung von 2015 bis 2020
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 262291181
Ziel des vorliegenden Vorhabens ist es, die Rolle der antiquarischen Monumentforschung bei der Konstruktion historischer Narrative in Frankreich zwischen dem 18. und frühen 19. Jh. zu untersuchen.Anfang des 18. Jhs. wuchs das Interesse an französischen Antiquitäten, keltischen, gallischen wie mittelalterlichen, spürbar. Den Prozess nachzuvollziehen, der zur Aufwertung, Erfassung, Musealisierung und Einbettung in historische Erzählungen der einheimischen Monumente führte, ist eins der Anliegen dieser Arbeit. Es gilt erstmals zu zeigen, auf welche Weise die Altertümer zu historischen Quellen wurden, zunächst im Dienst von universal-christilichen und lokal-patriotischen Narrativen und ab den 1795er Jahren dem Nationalgeschichte, wie das Autochthone in Gestalt archäologischer Funde oder Monumente in Konkurrenz zu den griechischen und römischen Relikten um Prestige rang, wie sich die Ursprünge der Zivilisation anhand dieser neuartigen Quellengattung und durch bestimmte Narrative von Südeuropa bzw. Nahost nach Frankreich verlagerten. Abschließend ist zu klären, welches Verständnis der Geschichtsschreibung die antiquarische Monumentforschung vermittelte und welche ideologischen Implikationen dies beinhaltet.Eine solche Untersuchung verfolgt drei Ziele. Als Erstes beabsichtigt sie die epistemologische Neuerung, die in Frankreich ab dem Ende des 17. Jhs. einsetzte, erstmalig zu rekonstruieren. Betrachtet wird die Veränderung der antiquarischen Methode, die, mit der Frage des Ursprungs einer bestimmten geographisch-kulturellen Entität (der jüdisch-christliche Kulturraum, die Stadt, die Provinz bzw. die Nation) konfrontiert, eine neue Quellengattung entdeckte und die groben Monumente vorrömischer Zeit in historische Quellen umdeutete. Zweitens geht es darum, die Narrative zu analysieren, die mit den einheimischen Antiquitäten hervorgebracht wurden: Neben den bereits untersuchten universalhistorischen Narrativen, die gegen die Bestrebungen von Atheisten, Skeptikern und Gallikanern zum Einsatz gelangten und den lokal-patriotischen, in denen Aspirationen gegen den monarchischen Absolutismus zum Ausdruck kamen, soll die verspätete „Nationalisierung“ des keltischen Narrativs und seine Umwandlung im Zuge der Expansionspolitik Napoleons im Fokus stehen. Diesbezüglich strebt die Arbeit an, die Genealogie des französischen Nationalismus neu zu beleuchten, indem sie diese anhand neuartiger materieller Quellen, hinsichtlich seiner zunehmenden Identifikationskraft untersucht. Drittens besteht ein Anliegen darin, das übliche Bild der antiquarischen Forschung und ihr Verhältnis zur Geschichtsschreibung zu hinterfragen und zu revidieren. Die innovative zu beantwortende Frage lautet nicht, inwiefern die antiquarische Methode zur Entstehung der Geschichtswissenschaft des 19. Jhs. beigetragen hat, sondern, innerhalb welchen historiographischen Paradigmas die Antiquare dachten und welche Art von Geschichte sie zu konstruieren beabsichtigten und vermochten.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
