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Die Metaphysik der Induktion
Antragsteller
Dr. Marius Backmann
Fachliche Zuordnung
Theoretische Philosophie
Förderung
Förderung von 2015 bis 2020
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 276459891
In meinem Projekt werde ich einen bislang wenig beachteten Aspekt der Debatte um das Induktionsproblem untersuchen: die Frage, ob die mutmaßliche Existenz notwendiger Verknüpfungen in der Natur einen Einfluss auf die Lösbarkeit des Induktionsproblems hat. Induktive Schlüsse sind rechtfertigungsbedürftig, da sie ampliativ sind: der Gehalt der Konklusion geht über den Gehalt der Prämissen hinaus. Eine Rechtfertigung für induktive Schlüsse zu finden ist bekannt als das Induktionsproblem. Induktion ist grundlegend für rationales Verhalten: wir müssen aus der Erfahrung lernen und generalisieren, sowohl in der Wissenschaft, als auch im Alltag.Die ontologische Debatte über notwendige Verknüpfungen ist bedeutsam für die Debatte um das Induktionsproblem, da Vertreter der These, es gebe notwendige Verknüpfungen in der Natur (Necessitaristen) behaupten, das Problem der Induktion im Gegensatz zu ihren Gegnern lösen zu können. Zudem behaupten einige Necessitaristen, dass ihre Position näher an der wissenschaftlichen Praxis sei, da Wissenschaftler die Existenz notwendiger Verknüpfungen aus ihren Daten folgerten und zur Rechtfertigung von induktiven Schlüssen heranzögen.Um diese Thesen zu untersuchen, müssen folgende Ziele erreicht werden:1. Das erste Ziel ist die Kritik der verschiedenen necessitaristischen Versuche, das Problem der Induktion in allen seinen Formen zu lösen. Meine Arbeitshypothese lautet, dass diese Versuche ihren eigenen Ansprüchen nicht genügen. Sie rechtfertigen Induktion nicht, sondern versuchen (und scheitern) Problem aufzulösen, indem sie induktive Schlüsse auf deduktive reduzieren.2. Das zweite Ziel ist eine Untersuchung der unterschiedlichen Standards für mögliche Rechtfertigungen von Induktion. Die Necessitaristen scheinen Induktion für gerechtfertigt zu halten, wenn man den ampliativen Schritt eliminieren kann, während nicht-Necessitaristen zu demonstrieren versuchen, warum bestimmte induktive Schlussschemata erfolgreich sind. Die Arbeitshypothese lautet, dass die necessitaristischen Versuche der Rechtfertigung dem ampliativen Charakter von Induktion nicht gerecht werden. Zudem gibt es einen Unterschied zwischen alltäglichen und wissenschaftlichen Induktionen. Es ist zu untersuchen, ob die verschiedenen anspruchsvollen Rechtfertigungsversuche auf alltägliche Schlüsse anwendbar sind.3. Das dritte Ziel ist eine Untersuchung, ob Wissenschaftler tatsächlich die Existenz notwendiger Verknüpfungen aus ihren Daten folgern und wiederum ihre Induktionen mit notwendigen Verknüpfungen rechtfertigen. Die Arbeitshypothese lautet, dass dies nicht der Fall ist. Hierfür werde ich Veröffentlichungen aus der empirischen Medizin und der Chemie bezüglich der Verwendung notwendiger Verknüpfungen analysieren. Hierfür werde ich mit den Wissenschaftlern des Zentrums für Wissenschaftstheorie Münster kooperieren.Diese Ziele führen hoffentlich zu einem umfassenderen Verständnis von Induktion, ihrer Rechtfertigung und ihrer Anwendung.
DFG-Verfahren
Sachbeihilfen
