The designed cityscape: the urban and topographic context of the royal palace of Qatna
Final Report Abstract
In dem Langfristvorhaben „Die gestaltete Stadtlandschaft. Der urbane und topographische Kontext des Palastes von Qatna“, das von 2006 bis 2018 ausgeführt wurde, sollte das Stadtbild des zentralen Stadtbereichs von Qaṭna in der Mittleren und Späten Bronzezeit rekonstruiert und dabei die visuelle und symbolische Bedeutung des Königsplastes für die Stadtlandschaft der Königsstadt analysiert werden. Die auf diese Fragestellung gezielt abgestimmten Ausgrabungen erbrachten zahlreiche detaillierte Einblicke in die „gestaltete Stadtlandschaft“ Qaṭnas im 2. Jahrtauend v. Chr. So ließ sich festhalten, dass die Gestaltung des Stadtzentrums einerseits der architektonischen Unterbringung des Herrschersitzes und weiterer politischer Gebäude und andererseits der symbolischen Darstellung des politischen Anspruchs und der Autorität der Herrscher diente. Dies umfasste die Repräsentation von Macht und Reichtum, die Darstellung von historischer Kontinuität und weitere repräsentative Momente der Selbstinszenierung. Der aktive Prozess der Gestaltung des Stadtzentrums hatte seinen entscheidendsten Augenblick zum Zeitpunkt der Planung und Erbauung des Königspalastes. Es konnte festgestellt werden, dass es sich nicht um ein additiv entstandenes, sondern um ein nach einem einheitlichen Gesamtplan erbautes Bauwerk handelte. Seine Konzeption und Konstruktion ist auf einen zeitlich eng umrissenen Zeitpunkt in der ersten Hälfte des 18. Jhdts. v. Chr. einzugrenzen (Mittelbronzezeit IIA). Allerdings war der Entstehungsprozess zweistufig. Als erstes entstand der „Urplan“ des Palastes, der in den Dimensionen und Raumgrößen noch erheblich bescheidener als der spätere Bau war. Noch während der Erbauung des Urplans wurden die Bauarbeiten abrupt unterbrochen und der Bau nach einem veränderten Plan, den wir als „Ausführungsplan“ bezeichnen, fertiggestellt. Dieser beinhaltete eine erhebliche Steigerung von Ausdehnung und Monumentalität. Der Bau beinhaltete auch eine bewusste Einbeziehung der natürlichen Topographie des Stadtzentrums, indem die hier bestehende Kalksteinterrasse durch eine monumentale Terrassenmauer umfasst und betont wurde und der Palast auf einen hoch aufragenden Unterbau aus massiven Lehmziegelfundamenten gesetzt wurde. Dadurch entstand eine von allen Seiten markant erscheinende Palastsilhouette. Es konnte außerdem festgestellt werden, dass bei der Anlage des Palastes sehr bewusst der früheren Bedeutung des Felsplateaus als Begräbnisplatz der städtischen Elite Qaṭnas während der Mittelbronzezeit I Rechnung getragen wurde. Die älteren Gräber wurden geschont und in die Palastsubstruktionen sorgsam integriert. Damit konnte eine historische und politische Kontinuität des Königtums zum Ausdruck gebracht werden. Auch die zum Palast gehörige Königsgruft wurde in traditioneller Weise am Abbruch des Felsplateaus angelegt. Folglich behielt die Terrassenkante unter dem Palast ihre Bedeutung als Ort der lokalen Identität der politischen Elite Qaṭnas und des Königtums bei. Auch im Westen muss der Palast ein eindrucksvolles Bild geboten haben. Da hier der einzige Palasteingang lag, wurde diese Seite besonders repräsentativ gestaltet. Dies wurde durch eine Freitreppe erzeugt, vor der sich ein freies Gelände, eine Art Platz, ersteckte. Damit lässt sich zeigen, dass der Königspalast von Qatna von zwei wichtigen Seiten, der Nordund der Westseite aus, als sehr monumentales Bauwerk wahrnehmbar war und zusätzlich noch durch die ideologisch erklärbare Wiederaufnahme der Felsterrasse im optischen Erscheinungsbild der Gebäudeterrasse als ein wichtiger Ort der Identität des Königtums von Qatna gekennzeichnet wurde. Hierin äußert sich ein sehr bewusster Vorgang, der in einer symbolisch aufgeladenen, politisch und ideologisch wirksamen und zu diesen Zwecken zielgerichtet gestalteten Stadtlandschaft resultierte.
Publications
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Die Wandmalereien aus Qaṭna im Kontext interkultureller Kommunikation
Constanze von Rüden, Ann Brysbaert & Ilka Weisser
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Interdisziplinäre Untersuchungen zur Königsgruft von Qaṭna
Pfälzner, Peter
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Das Archiv des Idadda. Die Keilschrifttexte aus den syrisch-deutschen Ausgrabungen 1999-2007 im Königspalast von Qaṭna
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Pfälzner, Peter
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Pfälzner, Peter; Niehr, H.; Pernicka, E.; Lange-Weber, Sarah & Köster, T.
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Qaṭna and the Networks of Bronze Age Globalism. Proceedings of an International Conference in Stuttgart and Tübingen in October 2009, Qaṭna Studien Supplementum 2, Wiesbaden.
Pfälzner, Peter & al-Maqdissi, M.
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Schmuck für Lebende und Tote. Form und Funktion des Schmuckinventars der Königsgruft von Qaṭna in seinem soziokulturellen Umfeld
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Royal Corpses, Royal Ancestors and the Living: The Transformation of the Dead in Ancient Syria, in: C. Felli (Hrsg.), How to Cope with Death: Mourning and Funerary Practices in the Ancient Near East. Proceedings of the International Workshop, Firenze, 5th–6th December 2013, Pisa, 241–270.
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Pfälzner, Peter
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Der Königsgruftkomplex von Qaṭna. Teil 1: Befunde und Fundverteilung im Korridor und in der Vorkammer
Sarah Lange, Jochen Schmid & Anne Wissing
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Der Königspalast von Qaṭna. Teil 1: Chronologie, Grundriss, Baugeschichte, Bautechniken
Peter Pfälzner & Jochen Schmid
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Der Königspalast von Qaṭna. Teil 2: Architektur, Stratigraphie, Keramik und Funde des westlichen Zentralbereiches
Eva Geith, Tulip Abd-el Hay & Jochen Schmid
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Keramikassemblagen der Späten Bronzezeit aus dem Königspalast von Qaṭna und eine vergleichende Betrachtung zeitgleicher Keramik Westsyriens und der Levante
Stephanie Döpper
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The Modularisation of Palatial Architecture in 2nd Millennium BC Syria, in: M. Bietak – P. Matthiae – S. Prell (Hrsg.), Ancient Egyptian and Ancient Near Eastern Palaces. Volume II, Proceedings of a Workshop Held at the 10th ICAANE in Vienna, 25–26 April 2016, Wiesbaden, 117–142.
Pfälzner, Peter
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Das Totenmahl in Syrien im 2. Jahrtausend v. Chr. – Eine Untersuchung zur Bedeutung, Symbolik und Tradition eines altorientalischen Konzepts in philologischer, archäologischer und religionsgeschichtlicher Perspektive am Beispiel von Mari, Qaṭna und Ugarit, Qaṭna Studien Supplementum 4, Wiesbaden.
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Gold von Königen und Göttern: Zur Bedeutung von Goldobjekten in den syrisch-nordlevantinischen Königtümern der Mittleren und Späten Bronzezeit ausgehend von den Funden aus den Grüften von Qaṭna. Bulletin of the American Society of Overseas Research, 389, 248-250.
Wygnańska, Zuzanna
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Puljiz, Ivana
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Der Königsgruftkomplex von Qaṭna. Teil 2: Die Grabkammern. Befund, Kontextualisierung, Interpretation. Harrassowitz Verlag.
Pfälzner, Peter; Schmidt, Conrad & Dohmann, Heike
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Der Königspalast von Qatna Teil 3: Architektur, Stratigraphie, Funde und Keramik der westlichen, nördlichen und östlich-zentralen Raumeinheiten. Elektronischer Appendix: Die Waren- und Typenbeschreibung der frühbronze- bis eisenzeitlichen Keramik. Qaṭna-Studien. Forschungsergebnisse und vergleichende Untersuchungen des deutsch-syrischen archäologischen Projekts auf dem Tall Mišrife. Harrassowitz Verlag.
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