Infrastrukturen, infrastrukturelle Zusammenarbeit und die Kontinuität in der europäischen Integration: Der Europäische Post- und Fernmeldeverein
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Projekt EUROPTT beschäftigte sich im Kern mit dem Europäischen Post- und Fernmeldeverein, der 1942 in Wien unter Führung des nationalsozialistischen Deutschlands und des faschistischen Italiens gegründet wurde. In zwei Promotionsprojekten wurde ein Fokus auf die Post wie auf die Telekommunikation gelegt. Über Workshops wurde ein Vergleich mit anderen Infrastrukturen, wie Autobahnen, Brücken und der Schifffahrt gezogen. Ziel war es, einen Blick auf einen bisher eher vernachlässigten Aspekt des Zweiten Weltkrieges zu werfen: Grenzüberschreitende Kooperation im Zweiten Weltkrieg. Damit widerspricht das Projekt der Darstellung, dass der Zweite Weltkrieg eine Beendigung internationaler Zusammenarbeit zur Folge hatte und ordnet sich in die Forschungen zum faschistischen Internationalismus ein. Auch wenn die zwei Begriffe Faschismus und Internationalismus grundsätzlich erst einmal Gegensätzlich erscheinen, war sowohl dem Deutschen Reich wie auch Italien die Wichtigkeit internationaler Plattformen bewusst. In deutschen Kreisen sprach man auch von einer „Neuordnung Europas“. Darin reiht sich die Gründung des Europäischen Post- und Fernmeldevereins ein. Dieser begann nach seiner Gründung im Oktober 1942 im April 1943 mit seiner Arbeit. Dabei lag der Fokus auf einheitlichen Gebühren für Post und Telekommunikation sowie der Wegfall von Mehrkosten für den internationalen Postdienst (Transitgebühren) – nach deutschem Vorbild. Mitgliedsstaaten waren neben Deutschland und Italien 13 weitere Länder, die alle von den beiden Achsenmächten besetzt oder abhängig waren. Mit der Kapitulation von Italien im September 1943 endeten de facto die weiteren Bemühungen, Post und Telekommunikation in Europa nach deutschen Vorstellungen zu vereinheitlichen. Von deutscher Seite wurde noch ein Kongress der Mitgliedsstaaten im Oktober 1944 angesetzt, dieser musste allerdings wieder abgesagt werden. Mit Ungarn trat zu Beginn 1946 das letzte Land offiziell aus dem Verein aus. Innerhalb des Postwesens war Deutschland in einer Vormachtstellung, was zu deutlichen Konflikten mit den italienischen Partnern führte. Im Prinzip war die Idee für das „neue Europa“ des Postwesens das deutsche Postgebiet mit seinen Regeln auszuweiten, was als imperial angesehen werden kann. So wurde Wien (zu diesem Zeitpunkt eine deutsche Stadt) zum Hauptsitz des Vereins, die Reichsmark zur Referenzwährung und die deutschen Portos zu den europäischen. Diese Macht in Europa sollte in der Nachkriegszeit auch genutzt werden, um im Weltpostverein die französische und britische Macht zu begrenzen. Im Vergleich mit der Zeit vor und nach dem Zweiten Weltkrieg können viele Ähnlichkeiten festgestellt werden. Diese beziehen sich auf Inhalte, Personen und Organisationsformen – was sich änderte waren vor allem die politischen Vorzeichen.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt in der Zwischenkriegszeit und im Zweiten Weltkrieg 1919-1944, in: Jean Marie Woerling, Sylvain Schirmann, Martial Libera (Hrsg), 200 Jahre Zentralkommission für die Rheinschifffahrt, Straßburg 2015, S. 115- 155.
Guido Thiemeyer
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Comparing Cultures of Expert Regulation: Governing Cross-Border Infrastructures. Contemporary European History, 27(2), 280-300.
HENRICH-FRANKE, CHRISTIAN
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European Union for and by Communication Networks: Continuities and Discontinuities during the Second World War. Comparativ, 28(1), 82-100.
Henrich-Franke, Christian & Laborie, Léonard
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15th HEIRS Conference, 23-24.05.2019, Paris, Building a European Postal Area – The Runaway Technocrats?
Sabrina Proschmann
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L’Union Européenne des Postes et des Télécommunications (1942-1945). Un ensemble d’asymétries complexes. Guerres mondiales et conflits contemporains, N° 275(3), 43-54.
Aldebert, Valentine & Proschmann, Sabrina
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“Europäische Utopien”, 19.01.2019, Düsseldorf, Europäische Utopien und die Post – Briefmarken als Botschafterinnen Europas?
Sabrina Proschmann
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“The Onset of the New Order: Europe 1939–1940”, 17.-19.09.2019, Warsaw, A New Order for European communication: Ideology or technocratic necessity?
Sabrina Proschmann
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9 Technology Taking Over Diplomacy? The ‘Comité Consultatif International (for) Fernschreiben’ (CCIF) and Its Relationship to the ITU in the Early History of Telephone Standardization, 1923–1947. History of the International Telecommunication Union, 215-242. De Gruyter.
Henrich-Franke, Christian & Laborie, Léonard
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Internationalism in the (Long) 20th Century, 20.10.2020 - 23.10.2020, Berlin, online, Technocratic internationalism and the „New Europe”
Sabrina Proschmann
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Europäische Utopien und die Post – Briefmarken als Botschafterinnen Europas?. Europäische Utopien – Utopien Europas, 211-224. De Gruyter.
Proschmann, Sabrina
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A New Order for European Com-munication: Ideology or Techno-cratic Necessity? The European Postal and Telecommunications Union (1942– 1945). Studia nad Totalitaryzmami i Wiekiem XX, 312.
Aldebert, V. & Proschmann, S.
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Conference Report: Rethinking Practices and Notions of Fascist Internationalism 1919–1945. In H-Soz-Kult.
Proschmann, S., Ørskov, F. F. & Hamre, M. K.
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Conflict in Cooperation. Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG.
Aldebert, Valentine; Henrich-Franke, Christian; Laborie, Léonard; Proschmann, Sabrina & Thiemeyer, Guido
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Creating the ‘New Europe’ through Postal Services. Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG.
Proschmann, Sabrina
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Infrastructures et construction de l’Europe nazie-fasciste. Bilan du projet ANR-DFG « Europtt », 2018-2021. Histoire, Europe et relations internationales, N° 1(1), 217-222.
Laborie, Léonard
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Inland Navgation Infrastructures and the Second World War: The Example of the Rhine Region. Conflict in Cooperation, 125–144.
Thiemeyer, Guido
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Personal continuties and discontinuties – the careers of the EPTU, in: Aldebert, Valentine/ Henrich-Franke, Christian/ Laborie, Leonard/ Proschmann, Sabrina/ Thiemeyer, Guido (Hg.), Conflict in Cooperation: Crossborder infrastructures in Europe facing the Cold War, Baden-Baden 2022, pp. 109-118.
Henrich-Franke, Christian & Sabrina Proschmann
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‚Objective Operations’ Under Swiss Neutrality? The International Broadcasting Union During WWII. Conflict in Cooperation, 71-80. Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG.
Henrich-Franke, Christian
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Les agents postaux de la Reichspost à l’étranger avant et pendant la Seconde Guerre mondiale. Organiser les transferts pour dominer. Histoire, Europe et relations internationales, N° 3(1), 63-73.
Proschmann, Sabrina
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Approaches to Transnational and International Fascism: Actors, Networks, and Ideas, 1919–1945, in: Fascism (2024, 13), Special Issue.
Oerskov, F. F., Hamre, M. K. & Proschmann, S.
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Editorial Introduction. Fascism, 13(1), 1-12.
Hamre, Martin Kristoffer; Proschmann, Sabrina & Ørskov, Frederik Forrai
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UPU HISTORIANS’ COLLOQUIUM. Achieving “a single postal territory”: a global promise – past and present, 01.-02.02.2024, Bern, A replacement for the Universal Postal Union? The European Postal and Telecommunications Union of 1942 and its relations to the UPU.
Sabrina Proschmann
